Claudio Monteverdi

L'Orfeo

Furio Zanasi, Antonio Abete, Daniele Carnovitsch u.a.

BBC Opus Arte OA 0842 D
(140 Min., 1/2002) PAL 16:9, Disc-Format DVD 9, All Regions

Der Mythos von Orpheus, der seine Geliebte Eurydike durch einen Schlangenbiss verliert und in die Unterwelt hinabsteigt, um sie zurückzuholen, ist nicht zufällig einer der ersten Opernstoffe der Musikgeschichte: Schließlich ist es die Kraft des Gesangs und des Harfenspiels, mit der Orpheus Charon, den Fährmann auf dem Styx, zumindest einschläfert, Plutos Gattin Proserpina jedoch so sehr rührt, dass sie sich bei ihrem Gemahl für die Rückgabe Eurydikes einsetzt. Leider verliert Orpheus seine Geliebte durch leidenschaftliche Ungeduld ein zweites Mal: Er übertritt auf dem Rückweg aus der Unterwelt das Gebot, sich nicht nach Eurydike umzuwenden. Monteverdis Librettist Alessandro Striggio gab der Geschichte allerdings einen abgemilderten Schluss, indem er Orpheus durch seinen Vater Apollo in den Himmel erheben lässt, wo er Eurydikes Ebenbild in der Sonne und den Sternen wieder finden wird.
Ganz im barocken Geist angelegt ist die auf dieser DVD befindliche Produktion des Orfeo, die im Jahre 2001 im Gran Teatre del Liceu in Barcelona aufgezeichnet wurde: Der Regisseur Gilbert Deflo ließ sich am Originalschauplatz, dem Palazzo Ducale in Mantua, inspirieren - er spricht in einem "Extra Feature" über seine Arbeit - und entwarf ein Szenario vor barock-antikisierenden Kulissen mit ebensolchen Kostümen, das dem Zuhörer einen möglichst authentischen Eindruck der fast vierhundert Jahre zurückliegenden Aufführungspraxis vermitteln soll; auch Jordi Savall - er erscheint als Monteverdi selbst - und die Instrumentalisten tragen barocke Gewänder. Die szenische Intensität der Life-Aufführung, die auch kameratechnisch durchaus eindrucksvoll festgehalten wurde, zieht den Zuschauer wirklich in den Bann und lässt ihn die in Musik gegossenen Affekte hautnah erleben: Besonders bewegend gelingt Sara Mingardo das Überbringen der Todesbotschaft an Orfeo; daneben gibt es aber auch etwas schwächere sängerische Leistungen wie etwa diejenige von Montserrat Figueras als Musica, die bedauerlicherweise mit stimmlichen Abnutzungserscheinungen zu kämpfen hat. Furio Zanasi als Orpheus klingt bisweilen belegt und intoniert auch manchmal etwas zu tief, erfüllt seine Figur aber insgesamt dennoch recht erfolgreich mit Leben. Arianna Savall als Eurydike scheint gesangstechnisch nicht vollkommen frei, Antonio Abete (Charon) und Daniele Carnovitsch (Pluto) hingegen begeistern durch die Tragfähigkeit ihrer profunden Bassstimmen. Insgesamt trotzdem eine packende Aufführung, die jedoch ohne die sehr wirkungsvolle visuelle Ebene nicht ganz so gut gefallen würde.

Michael Wersin, 21.06.2003



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