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Claudio Monteverdi

Il ritorno d'Ulisse in patria

Kresimir Spicer, Marijana Mijanovič, Cyril Auvity u.a., Les Arts Florissants, William Christie

Virgin/EMI 490 612-9
(174 Min., 7/2002) 1 DVD, PCM-Stereo, PAL 16:9 bzw. NTSC 4:3

William Christie ist nicht nur ein Pionier in der Aufarbeitung der Barock-Oper. Er hat parallel zu seiner Wiederbelebung der Lullys, Charpentiers und Rameaus eine neue Sängergeneration herangezogen, ohne die heute viele seiner Dirigentenkollegen nur mit halber Kraft arbeiten könnten. Eine von Christies jüngsten Entdeckungen ist die Mezzo-Sopranistin Marijana Mijanovič. Hochgewachsen und mit einer androgynen Ausstrahlung, besitzt sie eine ungewöhnlich abgedunkelte Stimme, mit der sie besonders jede Nuance von Schmerz und Verzweiflung zu einem raumgreifenden Ereignis und so zu einem noch nie gehörten Erlebnis macht. Kaum verwunderlich, dass Mijanovič sofort vom Fleck weg an das Züricher Openrhaus engagiert wurde, nachdem sie im Jahr 2000 beim Aix-en-Provence-Festival ihr internationales Debüt gegeben hatte. Als Penelope in Monteverdis Oper "Il ritorno d'Ulisse in patria". Ihre Bühnen-Präsenz und ihre vokalen Energien für das Tragische bilden denn auch das Epi-Zentrum des auf DVD herausgekommenen Live-Mitschnitts der Monteverdi-Inszenierung.
Regisseur Adrian Noble hat sich für eine Reise ins Morgenland entschieden, wo Jupiter vom fliegenden Teppich aus das Treiben in einem nur mit Wüstensand karg bedeckten Innenhof beobachtet. Fein gekleidete Edelmänner buhlen da kräftig um Penelope. Deren Augen und Herz aber gehen erst wieder auf, als sie hinter einem abgetakelten Hirten ihren Odysseus ausmacht. Szenisch ist dieser Monteverdi in seiner gepflegten Orientalistik keine Offenbarung. Das ist hingegen eben die Mijanovič, an deren Maßstäbe das restliche, aus durchaus versierten Barock-Kräften bestehende Sänger-Ensemble, nie heranreichen kann. Und Mijanovičs Ziehvater William Christie? Der bereitet ihr mit seinen Arts Florissants und dem gewohnt mitreißend musikalischen Temperament den entsprechenden Boden.

Guido Fischer, 07.02.2004



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