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Gustav Mahler, Kurt Hessenberg

Gesellenlieder, Lumpenlieder

Christian Elsner, Charles Spencer

Ars musici AM1172-2
(62 Min.) 1 CD

Wollte man die Musik Mahlers kurz und bündig charakterisieren, so eignete sich dazu am treffendsten der Begriff “Gebrochenheit”. Beispielhaft zeigt sich dies an der hier eingespielten Auswahl aus den frühen Liederzyklen, darunter “Des Knaben Wunderhorn” und “Lieder eines fahrenden Gesellen”: Da tönt keine bukolisch-heitere Volksmelodie, ohne alsbald in tiefste Depression und hämischen Sarkasmus umzuschlagen.
Christian Elsner gelingt im Verbund mit Charles Spencer eine beklemmend eindrückliche Darstellung des “fahrenden Gesellen”, der - so Mahlers Charakteristik seines Zyklus - “ein Schicksal gehabt”, also seine Liebste verloren hat, und “nun in die Welt hinauszieht, und so vor sich hin wandert”. Mal sehnsuchtsvoll und behutsam, mal jäh herausfahrend, zornig, verzweifelt: Der in der Mittellage leicht bedeckte, aber zu starken, klaren Höhen fähige Tenor besitzt eine seltene Wandlungsfähigkeit. Spencer wiederum trifft mit kleinen Rubati oder - wie beim schaurigen “Tambourg’sell” - mit gespenstisch grollenden Trillern das Abgründige dieser unvermittelten Stimmungswechsel.
Eine glückliche Hand hatten beide auch bei der Kopplung: Kurt Hessenbergs 1950 geschriebene “Lieder eines Lumpen” nach Wilhelm Busch passen zu Mahlers Gebrochenheit insofern, als sie Buschs herben Witz mit der Schopenhauerschen Erkenntnis von der Unabänderlichkeit des Charakters verknüpfen: Ein Lump mag noch so viel Glück haben - er bleibt doch ein Lump, denn er versäuft es. Gerade in Elsners höchst plastischem, pointiertem Zugriff kann Hessenbergs Zyklus mit seinen gemäßigten Dissonanzen und rhythmischen Finessen hoffen, bald einem breiteren Publikum zu gefallen.

Christoph Braun, 30.06.1997



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