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Gustav Mahler

Sinfonie Nr. 7 e-Moll

San Francisco Symphony Orchestra, Michael Tilson Thomas

Avie/Musikwelt 821936-0009-2
(57 Min., 6/2005) 1 CD

Wie ein "Nervenzusammenbruch beim Dirigieren der Meistersinger-Ouvertüre", so äußerte Michael Tilson Thomas in einem Interview, sei das Finale von Mahlers Siebter. Der Hörer dieser Einspielung muss Acht geben, dass ihn der Nervenzusammenbruch nicht schon im Kopfsatz ereilt: Mahler im Extrem liefert Michael Tilson Thomas, der die Siebte übrigens 1997 schon einmal mit dem LSO eingespielt, sich aber mit der vorliegenden Version nochmals selbst übertroffen hat. All die orchestralen Farben der Partitur vermag er mit dem San Francisco Symphony zum Urerlebnis zu machen - das Blech brüllt und jault, das Schlagwerk stampft und tobt, die Streicher schreien, die Holzbläser zaubern fahle Schatten in die akustische Landschaft oder unterstützen ihre blechernen Verwandten beim schmerzhaft insistierenden Vordringen ins Seeleninnere des Hörers. Kaum Erleichterung bringen im Anschluss an den aufreibenden Eingangssatz die beiden Nachtstücke, die ein gespenstisches Scherzo umrahmen. Der Schlusssatz mit seinen Meistersinger-Zitaten steuert dann - man lasse sich von vergleichsweise friedvollen Einsprengseln nicht täuschen - auf ein atemberaubendes Finale zu, bei dem Tilson Thomas wiederum nichts schuldig bleibt: Überall diese Prägnanz und Plastizität des Klanges (ein dickes Lob auch dem Aufnahmeteam!), diese Logik der Gestaltung und Präzision der Ausführung - wie klar gegliedert erscheint das polyfone Geflecht der Partitur, ohne dass jemals die schiere Wucht und Gewalt auf der Strecke bliebe! Eine einzigartige Mahler-Interpretation, die schon jetzt Referenzgeltung hat.

Michael Wersin, 28.01.2006



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