Responsive image

Changing Colours

Matthias Vogt-Trio

Infracom/Soulfood 128-2
(47 Min.) 1 CD

Der Titel "Changing Colours" lässt sich durchaus als Anspielung auf die chamäleonhafte Vielseitigkeit Matthias Vogts verstehen. Der Rüsselsheimer arbeitet seit 1989 als DJ, macht unter dem Namen "Motorcitysoul" Elektro-Funk, remixte unter anderem Abdullah Ibrahim und ist nebenbei Kopf des erfolgreichen Pop-Umarbeitungsprojekts "re:jazz". Nun legt er gemeinsam mit dem Bassisten Andreas Manns und dem Schlagzeuger Volker Schmidt auch noch sein Debüt als Anführer eines Jazz-Piano-Trios vor.
Das ist über weite Strecken eine hochinteressante Angelegenheit. Freilich: Vogt ist kein brillanter Techniker. Dennoch verfügen seine hochmelodiösen introvertierten Stücke über enorm viel Spannung. Es liegt an den hypnotischen, von der elektronischen Musik geborgten Loop-Strukturen, die man auch bei Esbjörn Svensson und den Seinen antreffen kann. Für zusätzliche Abwechslung sorgt beim Matthias Vogt Trio der Einsatz von Sängern. Roger Cicero leiht der Reggae-infizierten Auftaktnummer "The Look Into Your Eyes" seine Stimme, Dania König interpretiert das vom M-Base-Kollektiv inspirierte "Expecting Repercussions", Bandleader Vogt überrascht zum Schluss als geschmeidiger Vokalist bei der Latin-Lesart des Notwist-Songs "Pilot".
Am Klavier allerdings vermag er in der zweiten Plattenhälfte nicht mehr ganz zu überzeugen. Dieses bedeutungsvoll melancholische Tonmodellieren im Gedenken an Keith Jarrett klingt zuweilen wie ein misslungenes Bewerbungsschreiben an ECM. Zum Glück: Nur eine kurze Schwächephase auf einer sonst ansprechenden CD.

Josef Engels, 21.04.2006



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Werk und Biografie: Immer wieder führt dieses Spannungsfeld zu Einsichten in Komponistenleben, die Rätsel aufgeben oder einen zumindest staunen machen. Nikolai Mjaskowski zum Beispiel kam aus einer russischen Offiziersfamilie, ging auf die Kadettenschule, später auf die Petersburger Akademie für militärisches Ingenieurwesen und wurde anschließend, wie sein Vater, Offizier. Daneben aber komponierte er, und dieses Oeuvre hat mit Drill und militärischer Strenge so gar nichts zu tun. […] mehr »


Top