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Olivier Messiaen

Turangalîla-Sinfonie

Pierre-Laurent Aimard, Dominique Kim, Berliner Philharmoniker, Kent Nagano

Teldec/Warner Classics 8573-82043-2
(73 Min., 3/2000) 1 CD

Hoch waren meine Erwartungen, sehr hoch: Messiaens "Turangalîla", das immer mehr zu seinem Hit avanciert, dirigiert von Kent Nagano, der bei der Deutschen Grammophon eine prächtige Interpretation der Oper "Saint Françoise d'Assise" vorgelegt hat, mit Pierre-Laurent Aimard, dessen Einspielung der "Vingt Regards" ihn als Messiaen-Kenner der ersten Kategorie ausweist (siehe Rezension), als Pianist – und das Ganze noch mit den Berliner Philharmonikern: Das muss doch einfach eine Referenzeinspielung werden, dachte ich.
Warum ist es keine geworden? Sowohl die Orchesterleistung als auch die Bewältigung des Soloparts lassen keine Wünsche offen. Problematischer ist schon der Klang, der in den zahlreichen Tutti zum Verkleben neigt. In dieser Aufnahme klingt das Werk noch lauter, als es ohnehin schon ist. Hinzu kommt, dass das Ondes Martenot nur in den leisen Stellen deutlich genug zu hören ist, sonst meist im Hintergrund verschwindet. Nun mag es Hörer geben, die diesen Umstand vielleicht nicht unbedingt bedauern, da sie mit dem Klang dieses elektronischen Instruments ohnehin Schwierigkeiten haben. Es ist aber eine Solopartie, und die Solistin Dominique Kim dürfte beim Abhören der CD wenig Freude empfinden.
Dieses Problem ließe sich jedoch verschmerzen, schließlich handelt es sich um eine Live-Aufnahme. Dass jedoch Nagano wie die Feuerwehr durch die Partitur rast, vermag lediglich beim ersten Hören zu fesseln. Hier heißt das Motto "schneller, höher, weiter", und die Sensation der Virtuosität kann nicht das Manko fehlender innerer Ruhe wettmachen. Man vergleiche nur das Finale mit dem der hervorragend gelungenen Einspielung mit Antoni Wit (siehe Rezension). "Mäßig, ziemlich lebhaft, mit großer Freude", heißt die Tempobezeichnung, und Wit zelebriert einen Tanz von konzentrierter rhythmischer Kraft, der diszipliniert und logisch zum letzten Crescendo führt – bei einer Spieldauer von achteinhalb Minuten. Nagano hingegen braucht ganze zwei Minuten weniger und dreht von Anfang an derart auf, dass keine Steigerung möglich ist und der Satz somit länger und ereignisloser wirkt als beim "langsamen" Wit.
Die Ruhepunkte der Sinfonie, etwa der hypnotische sechste Satz, fließen bei Nagano einfach stilvoll vorbei und lassen, trotz klangschönen Musizierens aller Beteiligten, jenen oasenhaften, weltabgewandten Frieden vermissen, den Messiaen wie kein anderer in seiner Musik zu verströmen verstand. Diese "Tour de force" mag im Konzert begeistert haben – auf CD lässt sie mich letztlich kalt.

Thomas Schulz, 01.03.2001



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