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Planet Earth

Dennis Chambers

BHM 1005-2/ZYX
(60 Min., 10/2004) 1 CD

Hmm, kann man da jetzt wirklich von einer Hommage an Sun Ra sprechen? Nur gerade mal drei von insgesamt zwölf Stücken auf "Planet Earth" stammen von dem großen Space-Sonderling des Jazz. Und dann ist das Album – das dritte, das Schlagzeug-Allrounder Dennis Chambers unter eigenem Namen herausbringt – zusätzlich auch noch so merkwürdig disparat. Ständig wechseln die Besetzungen. Mal spielt Chambers Ausschnitte aus einer Suite für Bläser-Trio plus Schlagzeug, mal pflegt er gemeinsam mit Brett-Gitarre und E-Bass brachialen Jazzrock, mal hat er gewissermaßen eine ganze Fusion-Big-Band vor sich.
Letztere Gruppenzusammenstellung hat naturgemäß die größte Ähnlichkeit zu Sun Ras Arkestra; und wenn Altsaxofonist Kenny Garrett in "Overtones of China" zu einem schier endlosen Solo in Coltranesker Entrücktheit ansetzt, wähnt man sich tatsächlich in anderen Sphären. Doch obwohl Dennis Chambers bekanntermaßen seine ersten Karriereschritte in George Clintons durchgeknalltem Funkadelic-Haufen unternahm – zugekiffte Esoterik ist seine Sache nicht. Das macht "Planet Earth" zu einer angenehm handfesten Angelegenheit, die durch die Produzenten-Mithilfe des Keyboard-Humoristen Jim Beard einen wohldosierten Schuss Schrägheit bekommt. Bestes Beispiel für die Verbindung aus Feinsinn und klug eingesetzter Virtuosität ist die auf den ersten Gehörgang so leicht und flockig daherkommende Mitsumm-Nummer "Camel Hump". Wer allerdings den Versuch unternimmt, das abschließende Schlagzeug-Solo über drei 7/8- und einen arglos hinzugefügten 4/4-Takt analysieren zu wollen, kann darüber leicht den Verstand verlieren. Das ist dann schon ähnlich wahnsinnig wie Sun Ras Musik.

Josef Engels, 13.08.2005



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