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Don’t Explain

Joel Frahm, Brad Mehldau

Palmetto Records/Sunny Moon PALM 2096
(50 Min., 12/2001) 1 CD

Das ist eigentlich der Stoff, aus dem Filme gemacht werden. Einen pubertierenden Jungen verschlägt es mitsamt seinem Saxofon an eine neue High School. Er kennt keinen und hockt sich in eine Chorprobe. Die Sänger, na ja, die interessieren nicht so. Aber der Pianist, der ist ein cooler Typ. Man freundet sich an, erkennt gemeinsame musikalische Vorlieben und spielt recht bald Gigs für 15 Dollar in irgendwelchen Clubs. Eine tolle Zeit. Es kommt die Hochschulreife, und die Wege trennen sich. Unabhängig voneinander bauen sich die High-School-Freunde eine eigene Karriere auf. Man hat kaum noch Kontakt. Und dann, eines Tages, treffen sich die beiden wieder, jammen zusammen und merken: Es ist die gleiche Magie wie damals.
Das ist der Stoff, aus dem bemerkenswerte Platten gemacht werden. "Don’t Explain", die Aufnahme des Jane-Monheit-Tournee-Bläsers Joel Frahm und des Piano-Überfliegers Brad Mehldau, zeichnet sich durch eine unerklärliche Korrespondenz der Gedanken aus. Ist man bei Duo-Aufnahmen auf Real-Book-Basis oft versucht, den CD-Player wegen Session-Verdachts erst gar nicht anzuschmeißen, so erlebt man hier sein blaues Wunder. Es ist nämlich ganz unvorhersehbar, was Frahm und Mehldau aus altbekannten Standards machen. Sunny Rollins’ Bebop-Allgemeinplatz "Oleo" verwandeln sie in ein hymnisch schleichendes Ravel-Stück, vor Charlie Chaplins "Smile" verbeugen sie sich mit schönen Tränen im Ventilloch. Und Thelonious Monks Großwerk "Round Midnight" geben sie gleich zwei Mal. In einer eher konventionellen Interpretation beendet es die CD, als auf ein Ostinato-Riff reduziertes Kunststück der Dekonstruktion markiert es das ästhetische Zentrum der Aufnahme. Zwei Freunde, eine Seele.

Josef Engels, 13.03.2004



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