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Robert Glasper

Blue Note/EMI
(66 Min.) 1 CD

Das Jazzinstrument der Stunde ist zweifellos das Klavier. Jahrelang mussten sich die Tastenmänner mit ihrer Rolle als harmonische Dienstleister für junge Bläser-Löwen begnügen; nun werden sie von den Plattenfirmen reihenweise prominent auf die Cover gehievt. Aktuelles Beispiel ist der 26-jährige New Yorker Robert Glasper, der vom Renommier-Label Blue Note entdeckt wurde. Der engagierte Frischling hat die gesamte moderne Klavier-Tradition verinnerlicht. Er ist so virtuos verspielt wie Chick Corea oder Herbie Hancock (zuweilen greift er auch zum E-Piano), er verfügt über einen melodiösen Pop-Sachverstand wie Brad Mehldau, Jason Moran oder Esbjörn Svensson, er vermag schließlich ähnlich verinnerlicht den Vierklängen nachzusinnen wie Keith Jarrett oder Bill Evans. Letzterem setzt er auf seinem Blue-Note-Debüt auch ein hübsches Denkmal. Unversehens taucht in dem dunkel pulsierenden Stück "Enoch’s Meditation" die Akkordfolge von "Blue in Green" auf.
Es fällt nur schwer, Glaspers eigene Stimme in dem kunstfertig arrangierten Dickicht aus Referenzen auszumachen. Ansätze sind durchaus vorhanden. Etwa in den sufiartigen Gesängen des Rappers Bilal, die bei zwei Kompositionen zu vernehmen sind. Dennoch ist es auffällig, dass ausgerechnet die Nummern, in denen sich Tenorsaxofonist Mark Turner zu Glasper, Bassist Vicente Archer und Schlagzeuger Damion Reid gesellt, den größten Aufhorchcharakter haben. Bei aller Liebe zum Klavier: man vergesse die Bläser nicht.

Josef Engels, 10.12.2005



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