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Franz Schubert

"Forellenquintett", Werke für Violine und Klavier

Frank Braley, Renaud Capuçon, Gérard Caussé, Gautier Capuçon, Alois Posch

Virgin/EMI 545 563-2
(58 Min., 12/2002) 1 CD

Mag man es glauben? Man mag es nicht. Aber die Musikgeschichte hat diese Geschichte so hingeschrieben, wir müssen sie demnach als wahrhaftig und beglaubigt hinnehmen. Zu den Fakten: Als ein Gelegenheitswerk soll diese Wundertüte aus Tönen und Akkorden und Ideen dereinst in die Welt geworfen worden sein, und zwar nur mal eben so, weil ein Freund und Amateur-Cellist (und Amateur-Komponist, die Rede geht von Sylvester Paumgartner) in seiner Freizeit ein Liedchen auf ein Gedicht von Schubart (ja, dieser und kein anderer Hölderlin-Freund) komponiert hatte, dass nun der Meister selbst bittschön in ein instrumentales Sangesstück umzuformen die Anständigkeit vielleicht haben könnte. Schubert, Franz mit Vornamen, besaß selbige Anständigkeit. Und schrieb mit dem Klavierquintett in A-Dur, Deutsch-Verzeichnis 667, eines seiner sonnigsten, melodieseligsten, unbeschwertesten und raffiniertesten Stücke. Heute kennen wir es, wegen des zugrunde liegenden Gedichts, als das "Forellenquintett".
Sonniges Gemüt hin, Melodiesegen her, es ist dies doch wohl ein recht heikles Stück. Fließen soll es, schweben, und doch nicht kitschig klingen, geschweige denn angelegentlich. Den fünf vernünftigen Herren, die sich für die vorliegende Aufnahme zusammengefunden haben (wobei die Kerntruppe, bestehend aus Frank Braley und den Gebrüdern Capuçon, als Klaviertrio schon Bedeutsames zu Wege gebracht hat), gelingt die Wanderung auf dem schmalen Grat, es sei dies ohne Einschränkung gesagt, vortrefflich. Man kann die (bedauernswerte) Forelle förmlich durch ihr eigenes nasses Element hüpfen und toben sehen und dabei noch den helllichten Wasserstrahl, der dem Angler ins Auge springt, beobachten. Das Spitzbübische kommt nie zu kurz, doch subkutan schwimmt die Trübsal der Zukunft mit, der Kampf mit dem unbewussten Element Leben. Diesen verborgenen Dualismus dem Hörer in sanftmütiger Art und Weise nahe zu bringen, darin liegt das hohe Verdienst der Interpreten. Einzig das Zupacken könnte eine Spur energischer sein, schließlich muss die Forelle am Ende dran glauben. Zum Troste gibt es danach noch das wundervolle Opus "Trockne Blumen" und eine Litanei als Zugabe. Man hört all dies gerne. Sehr gerne.

Jürgen Otten, 18.12.2004



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