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Franz Schubert

Die schöne Müllerin

Roman Trekel, Oliver Pohl

Oehms Classics/Codaex OC 511
(60 Min., 11/2004) 1 CD

Kein Naturbursche á la Fritz Wunderlich, sondern eher ein ebenso versonnener wie draufgängerischer Narziss ist Roman Trekel als Müllergesell: Versonnen, wenn er sich immer wieder in langen, atemberaubend intimen Piano- und Pianissimopassagen verströmt (er scheint, zieht man frühere Liedaufnahmen zum Vergleich heran, seine ganz leisen Töne für diese Einspielung eigens erfunden zu haben – endlich!); ein Narziss, wenn er sich bei solchen Gelegenheiten hier und da ein wenig selbstverliebt bespiegelt oder souverän noch den einen oder anderen überraschenden deklamatorischen Effekt ins Publikum wirft. Draufgängerisch, wenn er im Eifer seines überbordenden Liebesrausches das eine oder andere vertraute Atemzeichen überrennt – kurzum: Manches Neuartige lässt an dieser Interpretation der Schönen Müllerin aufhorchen, und manches bisher Ungehörte in Trekels Gesang lässt für dessen Zukunft auf ein dauerhaft breiteres Ausdrucksspektrum hoffen, wenn auch das Voix-mixte-Register derzeit noch manchmal die Intonation nach oben ausbrechen lässt und der Vokal A als solcher permanent noch eine etwas eindimensional säuerliche Nuance hat. Herzlichen Glückwunsch, Herr Trekel, wenn Sie auch nach eigener Auskunft aus Überzeugung keine dieser unsachlichen, Meinung machenden Rezensionen lesen: Manches gab es früher zu nörgeln, aber sehr vieles gefällt auf dieser neuen CD!

Michael Wersin, 04.06.2005



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