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Franz Schubert

Sinfonie Nr. 9 C-Dur D 944

Berliner Philharmoniker, Simon Rattle

EMI 339382 2
(57 Min., 6/2005) 1 CD

Man muss ja nicht gleich, wie Sir Roger Norrington das in seiner Aufnahme von Schuberts großer C-Dur-Sinfonie tut, das berühmte Horn-Thema der Einleitung non legato spielen lassen, um das triviale Verständnis des Begriffes "Romantik" gleich radikal vom Tisch zu wischen. Aber wie Simon Rattle in seiner Neueinspielung mit den Berlinern die unter dem Gewicht ihres musikalischen Konfliktpotenzials berstend langsame Einleitung durch dynamische und artikulatorische Einebnungen verharmlosen, überrascht dann doch sehr: Man kann es nicht nur, um weitere aufschlussreiche Beispiele zu nennen, in Leonard Bernsteins Einspielung mit den New Yorkern von 1967 mehr krachen hören. Nein, selbst der auch 1977 bei seiner Aufnahme mit den Kölnern schon alte Günter Wand hat in dieser Hinsicht weitaus mehr zu bieten als dieses gefällige Einerlei. Nicht viel anders geht es u. a. auch im Andante con moto: Durch Norringtons Einspielung erfährt man etwa, dass der zweite Satz melodisch-thematisch nicht erst mit der Oboen-Kantilene in Takt acht beginnt, sondern dass die Celli und Bässe vom ersten Moment an etwas aussagen. Bei Rattle: Fehlanzeige. Kaum wirklich zur Geltung kommen in der vorliegenden Aufnahme auch hier die schroffen dynamischen Kontraste, die in diesem Satz wie im ersten Symptom für einen äußerst spannungsgeladenen, hochexplosiven Prozess sind, und ferner verwirklicht Rattle auch nicht das breite Spektrum an Klangfarben, dass Schuberts differenzierte Instrumentierung der Möglichkeit nach bereit hält. Warum so defensiv, so wenig kreativ, so mainstream-like? Es muss sich wohl um die Version für das im Alter vorgerückte Abonnenten-Publikum handeln.

Michael Wersin, 25.02.2006



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