Responsive image
Franz Schubert

Schiller-Lieder

Wolfgang Holzmair, Gérard Wyss

Tudor/Naxos 7134
(74 Min., 12/2004) 1 CD

Vom 30. 11. bis zum 5. 12. 2004 nahm Wolfgang Holzmair mit Ulrich Eisenlohr in München Teil 20 der "Deutschen Schubert-Lied-Edition" für Naxos auf; zwei Wochen später, ab dem 20. 12., spielte er in Schwarzenberg die vorliegende CD ein. Er scheint dazwischen Zeit gefunden zu haben, sich umfassend zu erholen, denn während man beim Hören der früher entstandenen CD den deutlichen Eindruck von Indisposition gewinnt, ist er hier wieder ganz "der Alte": Sein Timbre klingt immer ein wenig körnig oder, um ein bayerisches Wort zu verwenden, etwas rass; indes, auf dieser CD intoniert er kaum jemals zu tief und verfügt auch über eine wesentlich größere Flexibilität im mittleren und unteren dynamischen Bereich. Samtig weiche, höher gelegene Kantilenen etwa im ersten Teil des "Pilgrim" oder des "Alpenjägers" gelingen deutlich besser.
Gleich am Beginn bieten Holzmair und sein ideal agierender Begleiter Gérard Wyss eine sehr atmosphärische Version der "Bürgschaft", eine jener Miniopern für Gesang und Klavier, die eine gehörige Portion dramatischen Talents erfordern, um nicht Langeweile hervorzurufen. Das Duo reüssiert hier durchaus und erweckt Interesse für den Rest des Programms, das neben den oben bereits genannten Gesängen u. a. auch die "Gruppe aus dem Tartarus", "Der Jüngling am Bache" in der weniger bekannten ersten Bearbeitung und die schwelgerische Kostbarkeit "Die Entzückung an Laura" enthält. Wenn es an Holzmairs Gesang etwas Grundsätzliches auszusetzen gibt, dann ist es seine bedauerliche Neigung, Melismen zu aspirieren; damit konterkariert er so manche Legato-Kantilene. Davon abgesehen jedoch kann man Holzmair getrost zu den inspirierten Schubertinterpreten unserer Tage zählen.

Michael Wersin, 18.03.2006



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Bloß kein BreX-mas: Da haben die Chefunterhändler ganze Arbeit geleistet, damit Theresa May und Jean-Claude Juncker endlich den Durchbruch bei den Brexit-Verhandlungen verkünden konnten. Doch grüne Grenzen und Binnenmarkt-Bestrebungen in Ehren – wie hoch wäre eigentlich der kulturelle Verlust Europas durch den Ausstieg der Briten zu beziffern? Wir meinen, gerade was Advent und Weihnachtszeit angeht ist der Beitrag des Vereinigten Königreichs kaum hoch genug zu schätzen, da die […] mehr »


Top