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Franz Schubert

Schwanengesang, Goethe-Lieder

Peter Schreier, András Schiff

WHLive/harmonia mundi 0006
(79 Min., 7/1991) 1 CD

In früher Jugend faszinierte den Schreiber dieser Zeilen einst eine Einspielung von Schuberts "Schwanengesang" mit Peter Schreier und Walter Olbertz (entstanden 1971): Sehr genau noch ist die Erinnerung an die erste, faszinierende Begegnung mit jener unbeschreiblichen Reinheit und Süße des Gesangstons, wie ihn Schreier zu produzieren in der Lage war: Konnte es so etwas Schönes überhaupt geben? Später überlagerte sich dieses Erlebnis durch den übermächtigen Eindruck, den Dietrich Fischer-Dieskau auf der Kunstliedebene hinterließ und durch gewisse Biederkeiten im Sägerhabitus Peter Schreiers, die ja durchaus auf den Nerven gehen können. Und nun ein live mitgeschnittener Schwanengesang Schreiers, entstanden in der Londoner Wigmore Hall, 20 Jahre später als jene Studioaufnahme: Vieles von der Delikatesse dieser - freilich mittlerweile hörbar nachgereiften - unverwechselbaren Tenorstimme ist hier noch präsent, gestört hin und wieder durch gewisse Harschheiten. Ferner irritieren manche Intonationsausreißer, die vielleicht der Live-Situation, womöglich aber auch dem schon vorgerückten Alter des Mittfünfzigers geschuldet sind. Mitreißend die Kraftfülle dieser doch insgesamt sehr hellen und kopfigen (daher bei dramatischen Ausbrüchen in der Höhe gern etwas zickigen) Stimme in "Aufenthalt" und "Der Atlas". Exakt und gemäßigt expressiv, weniger exzessiv als bei Fischer-Dieskau die Textbehandlung. Leider fehlt die wundervolle "Taubenpost", aber der zweite Teil des Abends bringt mit Goethe-Liedern von Schubert noch einmal eine ganz andere Atmosphäre: Aufgepeitscht-sehnsüchtiges Drängen in "Rastlose Liebe" - wie hoch doch diese Gesänge in der originalen Tenorlage sind! -, einsamkeitsbedingte Melancholie in "Schäfers Klagelied", sich zuspitzend in den später folgenden drei "Harfner-Gesängen" - eine fesselnde Reise auch in Schuberts eigene verzweifelte Befindlichkeit, könnte man meinen. Schreier hat auch hier faszinierende Farben und Nuancen zur Verfügung - besonders die Harfner-Lieder machen er und der höchst einfühlsam begleitende András Schiff zum packenden Erlebnis - alles in allem ein Liederabend mit einigen Macken, geprägt aber auch von der Spontaneität und unmittelbaren Intensität eines Live-Ereignisses.

Michael Wersin, 01.12.2006



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