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Franz Schubert

Deutsche Schubert-Lied-Edition 22: Poets Of Sensibility, Vol. 5

Lydia Teuscher, Marcus Ullmann, Thomas Bauer, Ulrich Eisenlohr

Naxos 8.557373
(61 Min., 11/2003, 11/2005) 1 CD

Warum is eigentlich in the deutsche Schubert Lieder Edition außenrum always alles in english? Ob man nicht den zahlreichen Naxoshörern in der asiatischen Welt auch gleich auf dem Deckblatt (Cover) beibringen sollte, dass die "poets of sensibility" eigentlich eher als „Dichter der Empfindsamkeit“ bekannt geworden sind? So nörgelt der Rezensent, der ansonsten eigentlich nicht viel zu nörgeln findet: Mit seiner jungen deutschen Sängerriege hat der die Edition verantwortende Pianist Ulrich Eisenlohr, der hier übrigens zum wiederholten Male ein Fortepiano statt eines modernen Flügels auf durchaus kompetente Weise bedient (freilich ohne deswegen gleich ein Spezialist für historische Tasteninstrumente geworden zu sein), gerade für die Empfindsamen eine hervorragende Wahl getroffen. Wunderbar leicht und duftig geben Lydia Teuscher und Marcus Ullmann diese vielen Hörern sicher weitgehend unbekannten Miniaturen und Kleinodien des überaus produktiven Liedmeisters wieder; etwas dunklere, schwerblütigere Farben bringt an drei Stellen des Programms lediglich der Bariton Thomas Bauer mit seinem angenehmen, durch effektiv genutzte Gesichtsresonanzen sehr intensiven Timbre ein. Wie hell gestimmt und behaglich kommt auch das etwas bekanntere "An die untergehende Sonne" in Lydia Teuschers angenehm klarer und bei aller Geradlinigkeit doch überaus differenzierter Darbietung daher – von des Lied-Hohenpriesters Dietrich Fischer-Dieskaus Bedeutungsschwangerschaft, die wir in seiner Schubertlieder-Gesamtaufnahme auch immer wieder einmal gern genießen, ist da gar nichts mehr zu spüren – ein völlig anderer Schubert nach nur vier Jahrzehnten. Thanks to Bärenreiter’s Neue Schubert-Ausgabe, wie es auf der Rückseite der Schachtel (Box) heißt, sind wir heute auch able to benefit from the most recent research of the editorial team, was über die verbesserte Kenntnis zahlloser musikalischer Details selbstverständlich auch den Charakter der Ausführung beeinflusst – während sich Fischer-Dieskau und Gerald Moore seinerzeit noch mit Eusebius Mandyczewskis im Vergleich doch sehr unzuverlässiger Schubert-Ausgabe auseinandersetzen mussten. Die Zeiten ändern sich – in unseren Tagen mit atemberaubender Geschwindigkeit.

Michael Wersin, 09.06.2007



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