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Cruzing

Santa Cruz

Cowbell 27/Leicom
(41 Min., 2/2005) 1 CD

Die Dänen, so heißt es immer wieder, sind in Jazzbelangen die Amerikaner Skandinaviens. Es liegt an der Vielzahl prominenter US-Improvisatoren, darunter Stan Getz, Dexter Gordon oder Ben Webster, die jahrelang in Kopenhagen lebten und die dortige Szene mit ihren Auftritten im legendären Club Montmartre nachhaltig beeinflussten.
Auch der dänische Schlagzeuger Alex Riel begann seine Karriere im Montmartre. 2005 lud er vier seiner Landsleute dazu ein, Vergangenheitsbewältigung der besonderen Art zu betreiben. Gemeinsam hatten Riel, der Saxofonist Hans Ulrik, der Gitarrist Poul Halberg, der Keyboarder Frans Bak und der Bassist Bo Stief in den 80er Jahren die Fusion-Formation Santa Cruz gegründet. 1984 veröffentlichten sie ihre erste Platte. Danach herrschte Funkstille. Weil die Bandmitglieder alle unter eigenem Namen Karriere machten.
Das Wiedervereinigungskonzert der dänischen Supergroup im Februar 2005 zeigt, dass Santa Cruz immer noch als verschworene Gemeinschaft agiert. Knackig sind die Unisono-Themen von Sax und Gitarre, federleicht die Begleitungen der Rhythmusgruppe im Samba- oder Bluesrock-Idiom. Wenn Halberg auf der Gitarre das Blaue vom Himmel über Kopenhagen heruntergniedelt und Bak blumige Keyboardflächen ausbreitet - dann klingt das in der Tat schon sehr amerikanisch, ein bisschen nach Vorabendserien-Soundtrack, Metheny, Di Meola & Co.
Immerhin: Saxofonist Ulrik pflegt bei allen Breckerismen zuweilen einen mit orientalischen Ornamenten garnierten nordischen Schwermutston. Wer Jazzrock alter Schule mag und nichts gegen 80er-Jahre-Sounds einzuwenden hat, liegt bei der dänischen Wertarbeit von Santa Cruz wahrscheinlich genau richtig.

Josef Engels, 18.08.2006



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