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So Lost Like Peace

Ulita Knaus

Minor Music/in-akustik MM 801110
(58 Min., 8/2003 - 10/2003) 1 CD

Zu Beginn wird man erst mal schön auf die falsche Fährte gesetzt. Klangfetzen, Breakbeat-Assonanzen, stoische Sax-Auswürfe und Spoken-Word-Kaskaden weisen beim Eröffnungsstück von Ulita Knaus “So Lost Like Peace” in den fernen Norden, wo Bugge Wesseltoft und Konsorten dem Jazz mit elektronischem Erfindungsreichtum auf die Sprünge zu helfen pflegen. Doch der Ausflug dauert nur knapp drei Minuten. Was folgt, ist der Beweis, dass man keine wahnwitzigen Sound-Gimmicks braucht, um dem Jazz-Mainstream ein frisches Gesicht zu geben.
"I can wait" singt Ulita Knaus programmatisch, begleitet von Klavier, Kontrabass und Schlagzeug. Das Warten hat sich für die 34-jährige Wahl-Hamburgerin mit der sachdienlich ausgereiften Technik gelohnt. Sie erkämpft sich mit ihrer zweiten Einspielung einen eigenen Platz in der Riege des Vokalisten-Nachwuchses. Ihre Stücke balancieren poppige Wendungen und instrumentale Gesangslinien geschickt aus; zudem zeigt Knaus selten gewordenen Mut zum Scat. Klug ausgewählt sind auch die Fremdbearbeitungen. Jimi Hendrix’ "Manic Depression" gerät der Sängerin im Verbund mit Sven Kerscheks Gitarre zu einem hübschen Stück Kammermusik; "When I Fall in Love" bewältigt sie im Duett mit Mischa Schumanns Klavier bravourös. Und wenn man denkt, dass die CD vorbei ist, winkt noch einmal kurz der Computer mit einem Klangrauschen. Es geht auch ohne ihn.

Josef Engels, 14.02.2004



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