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Bach - The Brandenburgs

Jacques Loussier-Trio

Telarc CD-83644
(60 Min., 6/2006, 7/2006) 1 CD

Dem französischen Pianisten Jacques Loussier bot Johann Sebastian Bach die Substanz für eine Jahrzehnte währende Karriere. Sein 1959 mit dem Bassisten Pierre Michelot und dem Schlagzeuger Christian Garros gegründetes "Play Bach"-Trio verkaufte mehr als sechs Millionen Platten. Inzwischen hat er die dritte, 1998 gebildete Besetzung beisammen - und die jazzt mehr als all die Vorgängerinnen. Souverän bringen Loussier, der Bassist Benoit Dunoyer de Segonzac und der Schlagzeuger André Arpino Johann Sebastian Bachs sechs Brandenburgische Konzerte zum Swingen. Dies mag daran liegen, dass es von den Orchesterstücken - anders als von den Toccaten und Fugen der frühen Jahre - keine verbindliche Klavierversion gibt. So nehmen sich die drei die Freiheit, die Themen der einzelnen Sätze anzuspielen, dann aber improvisierend vom Notentext abzuweichen. De Segonzac zieht auf dem Kontrabass vergnügt swingende Linien ein, denen Arpino oft eine helle, agile Beckenarbeit gegenüberstellt. Darüber tänzeln Loussiers Melodien heiter und vergnügt, wobei ihnen de Segonzac oft eigenständige Bewegungen entgegenstellt. Abstufungen in Dynamik und Klangtönung verleihen den 18 Sätzen noch zusätzlichen Reiz. Stellen wir die Frage hintan, was wohl Bach zu diesen Versionen gesagt hätte - die Antwort ist letztendlich so unbedeutend wie die Tatsache, dass Klassik- und Jazzpuristen kaum Identifikationspunkte finden werden. Fakt ist andererseits, dass Loussier und Kollegen feines Easy Listening gelang, das in loser Beziehung zu Bachs Originalen steht und um Klassen besser ist als das Gros der Klassik-Light-Bearbeitungen. Es fällt leicht, sich mit dieser Musik treiben zu lassen - und doch ist sie intelligent gemacht.

Werner Stiefele, 08.12.2006



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