Responsive image

Eye To Eye

Mark Wyand

Sony BMG
(56 Min.) 1 CD

In Berlin ist der Tenorsaxofonist Mark Wyand schon lange kein Unbekannter mehr. Im Jahr 2000 schloss er sein Studium an der Hanns-Eisler-Hochschule mit Auszeichnung ab, 2001 gründete er sein eigenes Quartett, nebenbei half er immer gern aus, wenn in der Hauptstadt ein hochkarätiger Bläser gesucht wurde – beispielsweise, als Robbie Williams für Konzerte seines Swingprojekts Musiker brauchte. Auch in der RIAS Big Band war Wyand tätig; dort traf er unter anderem Till Brönner. Der 33-jährige Saxofonist, der in England geboren wurde und in Deutschland aufgewachsen ist, konnte den Trompeter nun als Produzenten und instrumentalen Mitstreiter für sein zweites Album gewinnen. Man läge nicht ganz falsch, wenn man "Eye to Eye" als Balladenplatte bezeichnen würde. Aber trotz der behaglich meditativen Ruhe, die die 13 Stücke ausstrahlen (darunter eine erstaunliche Version des Elvis-Schmachters "Love Me Tender"), hat man es an keiner Stelle mit belangloser Candlelight-Dinner-Musik zu tun. Die Produktion würde auch einem Manfred Eicher zur Ehre gereichen. Denn hier wird ein "sound of silence" etabliert, dessen Herzstück das warme, flexible und jederzeit klischeefreie Saxofonspiel des Protagonisten Wyand ist. Der Deutsch-Brite lotet überlegen die tonalen und harmonischen Möglichkeiten seines selbst geschriebenen Materials aus, er bringt mitunter auch avancierte Techniken wie Multiphonics-Seufzer in Anschlag. Dabei schafft er es, stets die Balance zu halten zwischen seelenvoller Kammermusikattitüde und intellektuellem Forscherdrang. Mit seinem sensibel agierenden Quartett, dem der Klavierromantiker Frank Woeste, der Bassist Pepe Berns und der Schlagzeuger Sebastian Merk angehören, verfertigt Wyand Balladen für Kopf und Bauch. Eine subtile Sensation.

Josef Engels, 02.06.2007



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top