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Joseph Gabriel Rheinberger

Orgelkonzerte op. 137 u. op. 177

Andreas Juffinger, Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, Hartmut Haenchen

Capriccio/Delta Music 71 017
(70 Min., 4/1989, 3/1990) 1 CD

Elegante bis schwelgerische Melodien, eine diatonisch basierte Harmonik, kontrapunktisch-barockisierende Verarbeitungstechniken: Das bietet die Musik des einst am Münchner Konservatorium tätigen Liechtensteiners Joseph Gabriel Rheinberger (1839-1901); seine konservative Haltung, die sich u. a. im eisernen Verzicht auf die Durchchromatisierung des musikalischen Satzes und im Beharren auf den althergebrachten Formen äußerte, lässt ihn meist als Gegenstand von Negativdefinitionen ("Feind der Neudeutschen" etc.) Erwähnung finden - daran hat auch das Rheinberger-Jahr 2001 nicht viel geändert. Ambitionierte CD-Projekte mit Kammer-, Kirchen- und Orgelmusik Rheinbergers offenbaren indes neben der Stichhaltigkeit von kritischen Einwänden gegen sein Schaffen auch die beständige Anwesenheit eines durchaus aparten Personalstils in seiner Musik. Freilich begegnen immer wieder bieder-betuliche Passagen, und die beflissene kontrapunktische Eloquenz lässt hier und da schmunzeln. Da es aber für heutige Ohren egal ist, ob Rheinberger als Zeitgenosse Mendelssohns besser aufgehoben gewesen wäre denn als Antipode Wagners und Liszts, sollte man sich nicht scheuen, Werke wie die hier vorgestellten beiden Orgelkonzerte zu genießen. Sie werden übrigens - das verschweigt das Cover der CD vollkommen - ergänzt durch die reizende Suite für Violine und Orgel op. 166, die der Geiger Ernö Sebestyen mit schönem Ton, aber etwas etüdenhaft und nicht immer ganz intonationsrein vorträgt.
Andreas Juffinger musiziert auf der für diese Musik nicht sonderlich gut geeigneten Orgel der Berliner Jesus-Christus-Kirche technisch souverän, insgesamt ein wenig zu defensiv: Wohlklingend und abgerundet, aber niemals aufdringlich registriert er das Instrument (dessen Disposition im Beiheift leider nicht angegeben ist), bei sehr Legato-generierter Artikulation verschenkt er jedoch hier und da die Möglichkeit zu stärkerer Profilierung und zieht es stattdessen häufig vor, sich dem Orchesterklang ein- oder nachzuordnen, statt dem Radio-Sinfonie-Orchester Berlin ein starker Dialogpartner zu sein. Die mittlerweile bereits fünfzehn Jahre alten Aufnahmen erweisen der vom Publikum ohnehin nur zögerlich goutierten Musik Rheinbergers also leider keinen allzu großen Dienst.

Michael Wersin, 12.03.2005



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