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Wolfgang Rihm

Klavierstücke Nr. 1, 2, 4, 5, 7

Bernhard Wambach

Kairos/helikon harmonia mundi 0012372
(76 Min., 11/2001) 1 CD

Bei aller musikästhetischen Differenz, die zwischen Pierre Boulez und Wolfgang Rihm liegt, verbindet sie das Prozesshafte des eigenen Klangdenkens; gibt es bei ihnen Überkreuzungen von parallel entstandenen Werken, wird Altes neu umgestellt. So auch in den Klavierstücken von Rihm, mit denen er sich bis heute als einer der ganz wenigen Komponisten von höchstem Rang präsentiert, die das Klavier nicht allein als reines Arbeitsgerät verwenden. Seit dem ersten Klavierstück op.8a (1970) verknüpft Rihm traditionelles, von der Spätromantik bis zur Wiener Moderne reichendes Ausdrucksvokabular, mit den Proportionen eigener Orchesterwerke (Klavierstück Nr.4) und der Lust an der radikalen Ausdehnung. Und tatsächlich zeigt Bernhard Wambach jetzt mit gleich fünf Klavierstücken aus einem Jahrzehnt (1970 - 1980), wie Rihm schon früh Musik als Abenteuer verstand und anging.
Ist in den Gesellenstücken op.8a/b noch eine konstruktivistische Bauform zu entdecken, in der Rihm Dynamik, Tempo und Intervalle in Grenzbereichen absteckt, werden die Stücke Nr. 4 und das mit "Tombeau" überschriebene Nr. 5 zu einem exzessiveren Umschlagplatz der formalen und harmonischen Entwicklungen. Mit heftigen Akkordballungen und kurzen, scharfen Gesten schlägt Rihm Schneisen in die Konturen; werden daraus komplexe Zustände von Klang, von Geräuschen, die im 7. Stück kulminieren. Doch so schweißtreibend die pianistischen Anforderungen dabei gestellt sind, so zeigt Bernhard Wambachs exzellent exegetisches Engagement, wie variantenreich, visionär und abgründig Rihms Nach-Moderne tatsächlich ist.

Guido Fischer, 28.06.2003



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