Responsive image

Silence and Beyond - Giora Feidman spielt Ora Bat Chaim

Giora Feidman

Koch/Schwann 3-6499-2
(59 Min.) 1 CD

Giora Feidmans Klarinetten jauchzen und jubilieren, säuseln und quieken wie immer, Jazzer wie der Geiger Mark Feldman kommen solistisch zu Wort, und eine sparsam eingesetzte Fülle von Holzbläsern (nebst einem überflüssigen Synthesizer) sorgen für ätherische Klangfarben. Klezmer-Jazz-Tango-Klassik-Klarinettist Giora Feidman zählt derzeit zu den beliebtesten Musikern, befriedigt er doch das im ausgehenden 20. Jahrhundert immer stärker werdende Bedürfnis nach einfacher, liedhafter Melodik. Er wird so sehr mit jüdischer Musik identifiziert - neunzig Prozent aller verkauften Klezmer-CDs sind Feidman-Alben -, dass andere Verteter des Genres, selbst ein Naftule Brandwein, fast nur Insidern bekannt sind.
Feidman mag diesen Missstand selbst erkannt haben, als er sich entschloss ein ganzes Album einer Komponistin zu widmen, die auch seine Managerin, Produzentin und (was das Beiheft schamhaft verschweigt) Frau ist. Die Dichterin und Malerin Ora Bat Chaim komponiert erst seit drei Jahren und hat jüngst mit “Elokim, Eli Ata” schon einen Film-Hit gelandet. Die von Yoga und jüdischer Mystik geprägte Künstlerin sieht sich als “Kli-zemer”, als “instrument of song” und spricht im Beiheft von “Erfahrung höheren Bewusstseins”, “innerer Stille”, “reinem Klang” und “Heilkraft der Musik” - hehre, für gewöhnlich von einer schamlosen Esoterik-Industrie missbrauchte Worte, die meist auf den falschen Platten stehen. Wie tröstlich, wenn es jemand ernst meint!
Mit improvisatorischer Leichtigkeit hat sie scheinbar unbeschwerte, volksliedhafte, tänzerische und gebetsartige Weisen geschrieben, die sich wie kühlender Seelenbalsam auf erhitzte Nerven legen. Lindernde, luftige, leichte, lockere, liebliche Labsal.

Marcus A. Woelfle, 28.02.1997



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Nichts für Angsthasen: Das sommernachts-freiluftig dahinflutende Oktett von Franz Schubert ist in Wahrheit auch ein Durchbruch nach mehreren Jahren sinfonischer Quälerei. An der Überfigur Beethoven haben sich etliche Generationen von Komponisten die Zähne ausgebissen, und wie später auch Johannes Brahms fand Schubert in der Kammermusik eine Hintertür zum eigenen Stil in der Sinfonik. Die Besetzung mit solistischen Holzbläsern und Streichern entspricht klanglich einem agilen, warm […] mehr »


Top