Responsive image
Robert Schumann, Joseph Haydn

Sinfonie Nr. 2, Sinfonie Nr. 104

Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR, Roger Norrington

Hänssler/Naxos 93.011
(65 Min., 9/1999, 10/1999) 1 CD

Schön, dass viele Irrtümer von der schieren Zeit abgehakt werden: Gut hundert Jahre lang galten Schumanns Sinfonien als „schlecht instrumentiert“, wurden von Mahler, Schostakowitsch sowie anderen Komponisten und Dirigenten entsprechend retuschiert, selbst George Szell fummelte in seiner fulminanten Aufnahme aus den Sechzigern an der Besetzung herum (siehe Rezension).
Die Historiker korrigierten den Weg, aber so schlagend deutlich gemacht, dass Schumann in Wahrheit ein genialer Instrumentator war, hat’s noch keiner vor Roger Norrington - und das mit einem traditionellen Sinfonieorchester! Er zeigt, dass man eigentlich nur das tun muss, was in der Partitur steht. Wenn die Tempi stimmen und das Timing, die Geigen nicht gebläht sind (besser acht statt vierzehn), also der für Schumann charakteristische Mischklang statt hat, überall und sogar im Adagio nur sparsamst Vibrato eingesetzt wird, Naturblech erklingt und die Akzente nicht aufgepfropft sind (wie jüngst bei Thielemann – siehe Rezension), sondern mit Leben erfüllt werden - dann, ja, dann kann eine der getreuesten, aber auch elektrisierendsten Schumann-Aufnahmen dabei herauskommen. So wie diese. Norrington überholt mit der „klassizistischsten“, gegen Krise und Schmerz anprangenden zweiten Sinfonie Schumanns sogar Harnoncourts vorzügliche Version mit dem Europäischen Kammerorchester.
Die Kopplung, Haydns „Londoner“ D-Dur-Sinfonie Nr. 104, erfährt ebensolche Sorgfalt und passt darüber hinaus wunderbar ins Konzept: Beide Werke zehren von ähnlichem motivischen Material. Bravo!

Thomas Rübenacker, 22.02.2001



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Werk und Biografie: Immer wieder führt dieses Spannungsfeld zu Einsichten in Komponistenleben, die Rätsel aufgeben oder einen zumindest staunen machen. Nikolai Mjaskowski zum Beispiel kam aus einer russischen Offiziersfamilie, ging auf die Kadettenschule, später auf die Petersburger Akademie für militärisches Ingenieurwesen und wurde anschließend, wie sein Vater, Offizier. Daneben aber komponierte er, und dieses Oeuvre hat mit Drill und militärischer Strenge so gar nichts zu tun. […] mehr »


Top