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Peter Iljitsch Tschaikowski

Violinkonzert in D op. 35, Klavierkonzert in b-Moll op. 23

Christian Tetzlaff, Nikolai Lugansky, Russisches Nationalorchester, Kent Nagano

PentaTone classics/Codaex PTC 5186 022
(67 Min., 2/2003) 1 CD

Wie haben wir kürzlich erst gestaunt über Arcadi Volodos’, und wie müssen wir nun schon wieder staunen über Nikolai Luganskys Interpretation von Tschaikowskis berühmtem Klavierkonzert Nr. 1 b-Moll! Über das Stück selbst muss wohl kaum etwas gesagt werden, die Fronten sind schon seit den Tagen seiner Entstehung klar: Die einen halten es für einen künstlich aufgeblasenen, hohlen Virtuosenschinken, die anderen entdecken darin durchaus gute Musik und reizvolle interpretatorische Aufgaben für Pianist, Orchester und Dirigent. Und tatsächlich: Widmet man sich dem Stück - überragende technische Potenz vorausgesetzt - mit künstlerischem Ernst, echter Zuneigung und großer Sorgfalt, dann entfaltet es immer aufs Neue seine ganz eigene mitreißende Kraft, ohne jemals langweilig zu werden. Nikolai Lugansky und Kent Nagano erweisen sich als kongeniale Partner, die beide ihr Handwerk des nuancierten Gestaltens, des Spiels mit Klangfarben und agogischen Finessen, aufs Vortrefflichste verstehen: Hier stimmt jeder Übergang, hier baut sich jede Steigerung absolut organisch auf, und der Klavierpart erscheint in einem Spannungsfeld zwischen leicht angerauter Eleganz und wuchtiger Gebündeltheit, wie sie gegenwärtig nur Lugansky so zum Erlebnis werden lassen kann: Seine Wiedergabe ist unverwechselbar.
Mit kammermusikalischer Sensibilität geht Christian Tetzlaff Tschaikowskis Violinkonzert an und bringt es dabei zu durchaus erstaunlicher interpretatorischer Präsenz auf einem Gebiet, das man bislang nicht unbedingt als das seine kannte. Gewiss, die ganz große romantisch-virtuose Geste fehlt hier vielerorts wohl noch, aber in perfektem Zusammenspiel mit dem Russian National Orchestra versteht Tetzlaff zu begeistern für diese im Vergleich zum Klavierkonzert sicher weniger spektakuläre, aber ungemein innige und zutiefst ehrliche Musik. Tetzlaffs Meisterleistung auf dieser CD sind ohne Zweifel die wundervoll abschattierten Kantilenen des langsamen Satzes.

Michael Wersin, 21.02.2004



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