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Johann Sebastian Bach, Antonio Vivaldi, Alessandro Marcello, Benedetto Marcello

Concerti Italiani

Concerto Italiano, Rinaldo Alessandrini

naïve/harmonia mundi OP 30301
(63 Min., 9/2000, 6/2002) 1 CD

Ob man Rinaldo Alessandrinis ruppigen, trockenen Stil mag, ob man seine oft extrem schnellen Tempi genießen kann, ist eine prinzipielle Frage; akzeptiert man diese Rahmenbedingungen, dann kann einem der extravagante Italiener mit seinem Ensemble durchaus bereichernde, nicht alltägliche Perspektiven auf die Barockmusik eröffnen: Beim genaueren Hinhören zeigt sich nämlich, dass Alessandrini auf dem gezackten Hintergrund, der zunächst irritiert, melodische Linien etwa eines Soloinstrumentes mit umso höherer Intensität zur Entfaltung zu bringen versteht; ein hohes Maß an Plastizität, an räumlicher Tiefenschärfe ist seinem Gesamtklang zu eigen. Dies kommt auch den italienischen Concerti auf der vorliegenden CD zu Gute, ganz unabhängig zunächst von der Frage, als wie "historisch" Alessandrinis Herangehensweise tatsächlich gelten kann: Die Präzision und Virtuosität seiner Musiker besticht jenseits aller vordergründigen Schwelgerei und Sentimentalität, die dieser Einspielung fehlt.
Es sind Johann Sebastian Bach und seinen italienischen Zeitgenossen Antonio Vivaldi, Benedetto Marcello und Alessandro Marcello, die Alessandrini auf dieser CD einander gegenüberstellt, und er tut dies auf ungewöhnliche Weise: Kein einziger Ton ganz originaler Bach erklingt hier, sondern lediglich einige Concerti, die Bach für Tasteninstrumente transkribierte (im Falle von Benedetto Marcellos Violinkonzert e-Moll war hierfür die verlorene Solopartie zu rekonstruieren, was Alessandrini selbst kompetent besorgte). Aber damit nicht genug: Auch Bachs originales Concerto nach italiänischem Gusto BWV 971, für das es keine Transkriptionsvorlage gibt, führt Alessandrini auf ein - fiktives - Vorbild zurück: Seine Bearbeitung für Solovioline, Streicherensemble und Continuo entspringt vollkommen dem Reich der Fantasie, ist aber anhand des im Original gut nachvollziehbaren Solo-Tutti-Wechselspiels schlüssig verwirklicht, wobei Bachs vor allem im letzten Satz über weite Strecken zweistimmige Faktur entsprechende Ausfüllung, teilweise auch leichte melodische Verdichtung erfährt. Durch die Orchestrierung gerät vor allem der langsame Satz in ein neues Licht, dessen melodische Bögen auf einem Tasteninstrument zwangsläufig kaum jene zielgerichtete Zugkraft entwickeln können wie bei der Interpretation durch eine Violine.

Michael Wersin, 04.12.2004



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