Diese erste kommerzielle Gesamtaufnahme von Verdis "Macht des Schicksals", aufgenommen 1941 und ursprünglich auf 35 Schallplattenseiten à 4 Minuten zu haben, ist eine hervorragende Pionierleistung: Die Solisten, das Orchester und selbst der Chor sind von passabler bis sehr guter Qualität, und aufnahmetechnisch wurde so gut gearbeitet, dass ein kaum getrübter Genuss der Musik (vom gewohnten Rauschen abgesehen) möglich ist.
Bessere Sänger hätte man damals kaum bekommen können: Maria Caniglia (Leonora) und Ebe Stignani (Preziosilla) waren in den vierziger Jahren sehr oft in gemeinsamen Produktionen zu hören; Stignani kann es mühelos mit der Preziosilla der berühmten Serafin/Callas-Einspielung von 1954 aufnehmen, denn durch ihr stimmliches Format vermag sie diese problematische Figur überzeugender zu gestalten als später ihre Kollegin Elena Nicolai.
Schwerer hat es Maria Caniglia, denn sie muss sich in der genannten Vergleichseinspielung an Maria Callas messen lassen. Es mit dieser Jahrhundert-Sängerdarstellerin aufzunehmen, bedeutet, sich einem ungleichen Wettbewerb zu stellen, und daher kann man Caniglias dennoch beachtliche Interpretationsleistung vor allem für sich genommen würdigen.
Galliano Masini als Alvaro macht seine Sache recht gut - kein Wunder, der heute vergessene Tenor war in jenen Jahren ein gesuchter, vielfach bewunderter Sänger. Seine Schluchzer entsprechen den Interpretationsgepflogenheiten der Zeit, Gigli etwa ist in dieser Hinsicht wahrlich nicht zurückhaltender. Dennoch bietet Richard Tucker in der Serafin-Einspielung gebündelteren Gesang und eine in sich geschlossenere Darstellung des seelischen Innenlebens seiner Figur.
Erfreulich ist hingegen die "Wiederbegegnung" mit Carlo Taglibue: Sein "Don Carlos" in der Serafin-Aufnahme von 1954 leidet schon deutlich unter stimmlichen Alterserscheinungen. Hier, dreizehn Jahre früher, war er in wesentlich besserer Verfassung. Der an historischen Sängern interessierte Hörer kann sich mit dieser Aufnahme ein Bild von den eigentlichen Qualitäten dieses Baritons machen.

Michael Wersin, 01.08.2002



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