Responsive image
Hugo Wolf

Ausgewählte Lieder

Robert Holl, Rudolf Jansen

Preiser/Naxos 90497
(63 Min., 11/2001) 1 CD

Ausgewählte Lieder nach Texten von Eichendorff, Goethe und Mörike präsentierte der Bariton Robert Holl mit Rudolf Jansen 2001 in einem Wiener Liederabend - diese CD enthält den Mitschnitt des Konzerts.
Hugo Wolfs Tonsprache bedient sich einer großen Palette von Farben und Ausdrucksnuancen, die sich dem Hörer über harmonische Raffinessen, melodische Feinheiten und feine rhythmische Akzentuierungen mitteilen. Wenn Goethe Schuberts Lieder schon nicht gefallen haben - die von Wolf hätte er bestimmt abgelehnt, denn das zu Grunde liegende Gedicht erfährt durch die Vertonung eine beträchtliche Erweiterung und Überhöhung in punkto Stimmung und Ausdrucksintensität.
Generationen von Sängern haben sich an diesem schwierigen Repertoire versucht, und nur wenige haben Aufnahmen von bleibendem Wert hervorgebracht; Fischer-Dieskaus frühe EMI-Aufnahmen mit Gerald Moore müssten hier sicher genannt werden.
Eine überaus flexible und nuancenreiche Stimme ist unbedingte Voraussetzung für eine überzeugende Interpretation. Robert Holl verfügt nur in bedingtem Maße darüber. Zwar ist bei ihm die Ausdruckintention immer gut erkennbar, doch mangelt es häufig an der Umsetzung. Faszinieren kann Holl vor allem mit ausladendem und zupackendem Duktus bei hohen Lautstärken. Im Piano, vor allem in der oberen Lage, zerfallen ihm jedoch die melodischen Linien in Einzelteile, denn er vermag hier über die penible Beachtung aller Vortragsbezeichnungen hinaus nicht den großen Bogen weiterzuführen.
Auch bewährt sich hier der eher gaumige, etwas nasale Stimmsitz nicht: Was Hermann Prey trotz ähnlicher Positionierung seiner Stimme in guten Zeiten auf Grund des hervorragenden Ansprechens seiner Stimme vermochte, misslingt Holl immer mal wieder. Oft entsteht dadurch der fatale Eindruck die Stimme sei "zu groß" für die feinnervige Musik.

Michael Wersin, 25.04.2002



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Werk und Biografie: Immer wieder führt dieses Spannungsfeld zu Einsichten in Komponistenleben, die Rätsel aufgeben oder einen zumindest staunen machen. Nikolai Mjaskowski zum Beispiel kam aus einer russischen Offiziersfamilie, ging auf die Kadettenschule, später auf die Petersburger Akademie für militärisches Ingenieurwesen und wurde anschließend, wie sein Vater, Offizier. Daneben aber komponierte er, und dieses Oeuvre hat mit Drill und militärischer Strenge so gar nichts zu tun. […] mehr »


Top