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Iannis Xenakis

Anastenaria, Troorkh, Ais

Michael Svoboda, Spyros Sakkas u.a., Symphonieorchester des BR, Chor des BR, Peter Rundel

Col Legno/helikon harmonia mundi 20086
(56 Min., 12/2000, 10/2000, 2/1981) 1 CD

Der dritte Abschnitt seiner Trilogie für Orchester, "Anastenaria", hat seinen festen Platz in der Musikgeschichtsschreibung der Nachkriegs-Avantgarde. 1955 erregte Iannis Xenakis mit "Metastaseis" bei den Musiktagen in Donaueschingen erstmals öffentliches Aufsehen, löste Skandal und Jubelstürme zugleich aus. Xenakis hatte mit den aktuellsten Kompositionsmustern aus Zwölftönigkeit und Serialismus eine klanggewaltige, auf seine kommenden Raummusik-Architekturen hinweisende Visitenkarte abgegeben - mit der Xenakis sich zudem von der aktuellen Musik-Mode verabschiedete. Jetzt aber kehrt "Metastaseis" erstmals in den ursprünglichen Bauplan zurück. Und verliert sogleich seine ganze Energie. Nicht nur, weil Dirigent Charles Z. Bornstein kaum an die vehemente, die kantigen Klangflächen hinausstülpende Uraufführungsinterpretation von Hans Rosbaud herankommt.
Dem letzten Teil von "Anastenaria" als moderne Erinnerung an den altgriechischen Kult schickt Xenakis einen antiken Folklorismus Orff'scher Prägung voraus, der "Metastaseis" wie einen Fremdkörper erscheinen lässt. Bis zum Xenakis-typischen Bersten gespannt werden hingegen "Ais" (1980) für Bariton und Orchester und "Troorkh" (1991) für Posaune und Orchester. Zwei Werke, in denen Xenakis seinen dionysischen Umgang mit Klangentfaltungen meisterhaft auf die Spitze trieb. Mal als bizarrer, bis an den Rand des Komischen reichender Dialog (Troorkh). Mal als ein suggestives, die Ordnung ständig durchbrechendes Kaleidoskop, in dem die Sprache seziert und bis in die höchsten Höhen geschickt wird. Für schwache Nerven ist das nichts.

Guido Fischer, 30.08.2003



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