Beharrlich arbeitet man im Festspielhaus Baden-Baden daran, Bayreuth den Schneid abzukaufen: Während der Grüne Hügel in den letzten Jahren hauptsächlich durch fragwürdige Personalexperimente von sich reden gemacht hat, setzt man in der Kasinostadt auf Startheater in gediegener Kulisse. Wie schon beim gleichfalls auf DVD erschienenen Baden-Badener Parsifal darf man auch beim "Lohengrin" keine großen optischen Überraschungen erwarten. Hier wie da liegt die Regie in den Händen von Nikolaus Lehnhoff, und der setzt den Schwanenritter weitgehend überraschungsfrei in Szene – über weite Strecken wirkt die Mischung aus schlichter Bühne und konventioneller Sängergestik fast wie aufpolierter Wieland Wagner. Weit interessanter ist ohnehin die musikalische Seite: Mit Klaus Florian Vogt präsentiert Baden-Baden den Lohengrin der Stunde, und der reine, verletzliche Tenor des Holsteiners klingt tatsächlich, als sei er nicht von dieser Welt. Vogts fast knabenhaft schlanke Stimme passt gut zu Solveig Kringelborns jugendlicher Elsa und sorgt gleichzeitig für einen wirkungsvollen Kontrast zur Theatertier-Ortrud Waltraud Meiers und zum Superschwergewichtsbass von Hans-Peter König. Mit fabelhaftem Chor und von Kent Nagano mit Gespür für die Lichtund Schattenzonen der Musik wie für ihre der italienischen Oper entlehnten Versatzstücke geleitet, taugt dieser "Lohengrin" zur neuen musikalischen Referenzaufnahme. Hoffentlich gibt’s bald mehr Wagner aus Baden-Baden.

Jörg Königsdorf, 22.02.2007



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