Responsive image
Johann Sebastian Bach, Carl Philipp Emanuel Bach

Osteroratorium, "Danket dem Herrn", "Heilig"

Joanne Lunn, Elisabeth Jansson, Jan Kobow, Gotthold Schwarz, Kammerchor Stuttgart, Barockorchester Stuttgart, Frieder Bernius

Carus/Note 1 Car 83.212
(79 Min., 7/2004) 1 CD

"Kommt, eilet und laufet, ihr flüchtigen Füße", der erste Vokalsatz des Bach'schen Osteroratoriums, repräsentiert hervorragend die frohe, heitere Stimmung dieses zum Osterfest des Jahres 1725 komponierten Stücks: Petrus und Johannes eilen zum Grab, weil sie gehört haben, Jesu Leichnam sei verschwunden (ein biblischer Bericht übrigens, der in der älteren Musikgeschichte häufiger die Komponisten zu höchst inspirierter Ostermusik angeregt hat). In Frieder Bernius’ Neueinspielung leidet dieser ausgelassene Gesang ein wenig unter Jan Kobows Höhenproblemen, und auch der sonst vortreffliche Gotthold Schwarz agiert hier nicht hundertprozentig entspannt. Damit ist aber auch schon alles Negative abgehandelt: die weiblichen Soli Joanne Lunn und Elisabeth Jansson bewähren sich in ihren Arien tadellos, und selbst Jan Kobow hat in einem in puncto Höhe weniger exponierten Solo noch Gelegenheit, sich von besserer Seite zu zeigen. Vom Chor hören wir im Osteroratorium noch nicht allzu viel; er kommt in den beiden folgenden Werken von Carl Philipp Emanuel Bach etwas ausführlicher zur Geltung: Der gewohnt homogene, kompakte und runde Klang Bernius'scher Chor-Akribie erfreut auch auf dieser CD, wenn man den kleinen Wermutstropfen der hinsichtlich Helligkeit und obertöniger Präsenz deutlich gekappten Sopranstimmen in Kauf nehmen kann - ein unverwechselbares Bernius-Special.
Während das Osteroratorium von Vater Bach selbst in historisierender Aufführungspraxis schon mehrfach vorliegt und Carl Philipps "Heilig" (WQ 217) immerhin von Hermann Max schon einmal eingespielt wurde, bietet Bernius mit dem ersten Teil der 1785 komponierten "Dankhymne der Freundschaft" ein bisher wohl kaum bekanntes Werk - wahrscheinlich eine Geburtstagskantate für einen unbekannten Freund, ganz in der Tradition ähnlicher Festmusiken des Vaters, aber freilich komponiert in jenem eigenwilligen musikalischen Idiom Carl Philipps, das die Schulung durch Johann Sebastian noch erkennen lässt, aber den ganz neuen Ausdrucksformen der musikalischen Klassik entgegenstrebt. Somit ist die vorliegende CD mit ihren gelungenen Interpretationen auch ein wichtiger Beitrag zur gegenwärtigen Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Renaissance.

Michael Wersin, 29.10.2005



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Bloß kein BreX-mas: Da haben die Chefunterhändler ganze Arbeit geleistet, damit Theresa May und Jean-Claude Juncker endlich den Durchbruch bei den Brexit-Verhandlungen verkünden konnten. Doch grüne Grenzen und Binnenmarkt-Bestrebungen in Ehren – wie hoch wäre eigentlich der kulturelle Verlust Europas durch den Ausstieg der Briten zu beziffern? Wir meinen, gerade was Advent und Weihnachtszeit angeht ist der Beitrag des Vereinigten Königreichs kaum hoch genug zu schätzen, da die […] mehr »


Top