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Johann Sebastian Bach

Kantaten Vol. 29 (BWV 2, 3, 38, 135)

Dorothee Mields, Pascal Bertin, Gerd Türk, Peter Kooij, Bach Collegium Japan, Masaaki Suzuki

BIS/Klassik Center SACD-1461
(71 Min., 6/2004) 1 CD

Mit "Ach" beginnen drei der vier titelgebenden Choräle, die den auf dieser CD versammelten vier Kantaten des Leipziger Jahrgangs 1724 zu Grunde liegen - und in der Tat: Ein Kaleidoskop der Schrecken und der Mühen des irdischen Lebens eines Christenmenschen breiten diese Werke vor dem Hörer aus, gipfelnd u. a. in einem der abgründigsten Rezitative des Kantatenwerks: "Ach heile mich, du Arzt der Seelen" aus BWV 135; die harmonischen wie melodischen Härten und Brüche dieser Nummer korrespondieren mit dem Jammer des Textes auf einzigartige Weise, ebenso wie Bach direkt im Anschluss daran in der Tenorarie "Tröste mir, Jesu, mein Gemüte" u. a. mittels zweier geschmeidig geführter Solo-Oboen auf unnachahmliche Art eine pastorale Atmosphäre des Trostes und der Geborgenheit zu schaffen versteht. Bei beiden Stücken ist der Tenor Gerd Türk in seinem Element, der in Folge 29 der Suzuki-Gesamtaufnahme endlich einmal wieder mit von der Partie ist: Kein Alte-Musik-Tenor beherrscht jenes empfindliche Gleichgewicht zwischen aussagekräftiger Textgestaltung und makellos schöner, technisch brillanter Stimmführung derzeit so vollkommen wie Türk, und besonders ihm ist es zu verdanken, das auf dieser CD nun die mit Abstand überzeugendste Aufnahme der relativ selten eingespielten Kantate BWV 135 vorliegt.
Mit Türks großartiger Leistung korrespondiert auf gleicher Augenhöhe diejenige von Dorothee Mields, welche man ebenfalls gern öfters als Bach-Interpretin hören möchte; leider hat sie keine Soloarie, sondern tritt lediglich in einem Rezitativ, einem Duett und einem Terzett hervor. Ansonsten ist sie, wie auch die anderen Solisten, in den Chören als Anführerin ihrer Stimmgruppe vertreten, denn Suzuki macht ernst mit jenem Aspekt der historischen Aufführungspraxis, auf den viele der angeblich "historisch Informierten" so gern verzichten: Die Solisten bilden den Kern des Chorus und singen folglich immer; in den Chornummern werden sie lediglich durch je zwei hinzutretende Ripienisten unterstützt. Sehr klar und durchsichtig, aber gleichzeitig auch (angesichts der kleinen Sängerzahl) sehr voll im Klang geraten mit einer solch idealen Besetzung die spektakulären Eingangschorsätze, vor allem die motettischen Choralbearbeitungen aus BWV 2 ("Ach Gott, vom Himmel sieh darein") und BWV 38 ("Aus tiefer Not schrei ich zu dir"). Insgesamt eine CD, die sowohl rein musikalisch als auch unter aufführungspraktischen sowie musikalisch-theologischen Gesichtspunkten ausgesprochen viel Freude macht: Suzuki at his best.

Michael Wersin, 25.03.2006



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