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Love Is What Stays

Mark Murphy

Verve/Universal 06025 1714489
(64 Min.) 1 CD

Man gewahrt, dass sich auf der CD auch eine Nummer von Johnny Cash befindet, und muss schon etwas grinsen. Ist Till Brönner, der Mann hinter Mark Murphys neuer Aufnahme, womöglich der deutsche Rick Rubin? Denn ähnlich wie der zauselbärtige Wunderproduzent aus Amerika hat es sich der deutsche Trompeter offensichtlich zur Aufgabe gemacht, alten Schlachtrössern des Showgeschäfts neue Wege aufzuzeigen. Brönner hat es bei Hildegard Knef, Manfred Krug und (demnächst) Thomas Quasthoff getan; nun wird er bereits zum zweiten Mal in Diensten Mark Murphys tätig.
Der inzwischen 74-jährige Ausnahmevokalist, der jahrelang mehr oder minder in der Versenkung verschwunden war, hat es mehr als verdient, dass man ihm eine Deluxe-Produktion für ein Major-Label angedeihen lässt. Auf "Love Is What Stays" sind nun unter anderem Lee Konitz, Don Grusin und ein Sinfonieorchester zu hören. Und trotz des ambitionierten Großformats klingt das Produkt unglaublich intim, direkt und aufwühlend. Was natürlich in erster Linie an Murphys eigenwilligem und emotional schonungslosem Gesang liegt. Eigene und fremde Klassiker wie "Stolen Moments", "My Foolish Heart" oder "Angel Eyes" interpretiert das Scat-Unikum mit einer Leidenschaft und Unbedingtheit, als ginge es um Leben und Tod. Es gibt auch wunderliche Spoken-Word-Ausflüge und jamsessionartige Einlagen. Und ja: Die Interpretation des Cashsongs "So Doggone Lonesome" passt sich ähnlich problemlos in den Jazzhintergrund ein wie die Coldplayhymne "What If". Hut ab vor dem Sänger und seinem Produzenten.

Josef Engels, 08.02.2007



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