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Penumbra

The Bennie Maupin Ensemble

Cryptogramophone 129/Al!ve
(60 Min., 6/2003, 11/2005) 1 CD

Bennie Maupin gehört seltsamerweise zu den wenig besungenen Helden der improvisierten Musik. Dabei hatte der 1946 in Detroit geborene Saxofonist, Klarinettist und Flötist entscheidenden Anteil an der großen Revolution, die den Jazz Ende der Sechzigerjahre erschütterte. Maupin wirkte auf Miles Davis' Umsturzplatte "Bitches Brew" genauso mit wie in Herbie Hancocks Funk-Putztruppe Headhunters. Nebenbei war Maupin unter anderem auch bei Pharoah Sanders, Lee Morgan oder McCoy Tyner anstellig. Ein wahrhaft umtriebiger Musiker.
Gemeinsam mit dem Bassisten Darek "Oles" Oleszkiewicz, dem Schlagzeuger Michael Stephans und dem Perkussionisten Daryl Munyungo Jackson schaut der Bläser auf "Penumbra" ohne Nostalgie auf die Vergangenheit zurück. Das Auftaktstück "Neophilia 2006" erinnert mit seinem düsteren Afro-Beat im 7/8-Takt an Hancocks "Mwandishi"-Zeit, "Message to Prez" verbeugt sich gleichermaßen vor Lester Young wie vor Sonny Rollins, "One for Eric Dolphy" erweist sich als obertonreicher und klappenflirrender Bassklarinetten-Solotrip im Gedenken an den viel zu früh Verstorbenen.
Bennie Maupin und sein Ensemble durchmessen die verschiedenen Aggregatszustände des Jazz, durchbrechen an einer Stelle das Swing-Eis, lassen es oft ostinat brodeln, schauen auch gerne dabei zu, wie Harmonie und Rhythmik im Dunst der Freitonalität verdampfen. Maupins stets wieder erkennbarer, herber und düsterer Ton auf den Saxofonen und der Bassklarinette macht diese Kochstunde zu einem Erlebnis.

Josef Engels, 09.06.2006



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