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max-bab

max-bab

Embab LC 14355
(72 Min., 4/2005) 1 CD

Es muss nicht immer laut, knallig und muskelprotzend virtuos zugehen, wenn der Nachwuchs Hand an den guten alten Jazz anlegt. In den 90ern mag das noch der Fall gewesen sein, als die so genannten Jungen Löwen mit profunder Bebop-Kenntnis für Aufhorchen sorgten. Eine Dekade später scheint die neue Generation ihr Improvisations-Handwerk mit mehr Zurückhaltung und Originalität pflegen zu wollen. Die zweite Platte des bayerischen Quartetts max.bab liefert dafür ein durch und durch hörenswertes Beispiel.
Der Pianist Benedikt Jahnel, der Bassist Benny Schäfer und der Schlagzeuger Andi Haberl lernten sich bereits zu Gymnasiumszeiten in der Schul-Big-Band kennen. 1999 stieß der Tenorsaxofonist Max von Mosch zu der versierten Rhythmusgruppe; zwei Jahre später ging man gemeinsam aus der "Bundesbegegnung Jugend jazzt" als Preisträger hervor. Zu Recht. Denn das Quartett verfügt über einen ganz eigenen, reifen Zugang zur improvisierten Musik. Akademische Hochleistungs-Phrasendrescherei ist nicht ihr Ding.
Die beiden Komponisten und Haupt-Solisten Jahnel und von Mosch setzen auf filigran gefertigte Melodien-Mobilés, die sich sanft und elegant drehen und wenden. Mal scheint Folkloristisches durch, mal halten aus dem Pop entlehnte Harmoniebindfäden das Gebilde zusammen. Schönheit ist das oberste Ziel, nicht Tumult; darin ähnelt der CD-Zweitling der Bayern oftmals den derzeitigen Jazz-Erzeugnissen aus Skandinavien oder dem melodietrunkenen Kenny Garrett in seiner "Simply Said"-Phase.
"Flying The Kite" heißt eines der max-bab-Stücke, es klingt wie das akustische Protokoll der Gefühlslage eines Drachenfliegers. Man spürt die Angst vor dem Abgrund, das Zittern beim Absprung - und irgendwann, mitten in von Moschs hymnischem Saxofon-Solo - die pure Lust am Fliegen. Keine Frage: Das junge deutsche Quartett ist bereit für den Take-Off in eine viel versprechende Karriere.

Josef Engels, 11.03.2006



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