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Peter Cornelius

Die Drei Könige und andere Chorwerke

Polyphony, Stephen Layton

Hyperion/Koch CDA 67206
(72 Min., 5/2000) 1 CD

Die Arbeit der mittlerweile sehr zahlreichen Ensembles, die sich der historischen Aufführungspraxis widmen, wirft ihre Schatten immer weiter voraus auch auf die jüngeren Abschnitte der Musikgeschichte. So sind die A-cappella-Chorwerke von Peter Cornelius, denen diese CD gewidmet ist, ursprünglich für die traditionellen Laien-Gesangvereine des 19. Jahrhunderts geschrieben worden. Allerdings überschreitet die musikalische Faktur zumindest einiger dieser Stücke die Möglichkeiten der meisten Laienchöre ganz erheblich; daher dringen berechtigterweise immer mehr kleine Profiensembles, geschult an älterer Literatur, auch zu hochromantischer Chormusik vor.
Ein solches Ensemble ist Stephen Laytons Polyphony, für diese Aufnahme knapp dreißig Mann stark und damit eigentlich unterbesetzt für die teilweise achtstimmigen Stücke. Die aufführungspraktischen Vorteile gegenüber einem Laienchor mit dreistelliger Mitgliederzahl sind jedoch ohrenfällig: Der biegsame, schlanke und vibratoarme Klang erweckt die teilweise gigantischen, auf Reger und Strauss weisenden Werke zu ungeahnt elegantem, durchsichtigem Leben. Auch hier lassen sich, wie in der Alten Musik, horizontale Verläufe hörbar machen, und das feine Ausbalancieren und Dosieren der stimmlichen Mittel ermöglicht die volle Entfaltung der reichen harmonischen und melodischen Pracht dieser meisterlichen Kompositionen.
In punkto klangliche Flexibilität sind die Engländer dem Norddeutschen Figuralchor unter Jörg Straube, der vor einiger Zeit ein teilweise deckungsgleiches Programm einspielte, bei weitem überlegen. Allerdings erliegen auch Stephen Laytons Sänger hie und da ihrer eigenen Begeisterung: Besonders in einstimmigen Passagen, immer wieder aber auch im Tutti, erreichen Vibrato und Durchhörbarkeit von Einzelsängern ein kritisches Maß, und auch die Intonation gerät vor Inbrunst ab und zu ins Wanken.
Schade, denn das hervorragende Gesamt-Klangbild von Polyphony mit seiner wohlklingenden Geschmeidigkeit ist nur von absoluten Spitzenensembles erreichbar, und die aufgenommene Musik ist mehr als hörenswert. Eine Spur mehr Disziplin und Objektivität hätte zu einem wirklich makellosen Ergebnis führen können; so müssen einige Blessuren in Kauf genommen werden.

Michael Wersin, 18.01.2001



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