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Johann Sebastian Bach

Sonaten für Viola da gamba und Cembalo

Jonathan Manson, Trevor Pinnock

Avie/Musikwelt AV 2093
(59 Min., 9/2005) 1 CD

Nichts zum nebenbei Anhören ist diese Einspielung von Bachs drei Sonaten für Gambe und obligates Cembalo (BWV 1027-1029) zuzüglich der gemeinhin als Flötensonate in h-Moll bekannten, hier aber ebenfalls in Gambenbesetzung und in der ursprünglichen Tonart g-Moll präsentierten Sonate BWV 1030: Der Tonmeister hat den Klang der Instrumente sehr direkt abgenommen, und so kommen die Stücke mit äußerster Intensität und Eindringlichkeit daher - man könnte sogar sagen, dass das Cembalo etwas zu sehr nagelt. Nun eignet sich Bachs Musik, nimmt man sie wirklich ernst, ohnehin nicht als Klangteppich im Hintergrund - zu dicht ist die polyphone Struktur seiner Musik, zu komplex arbeitete er, von dem berichtet wird, er habe jedes Motiv aufs Gründlichste auf alle erdenklichen satztechnischen Möglichkeiten hin überprüft. Jede einzelne Passage vermittelt den Eindruck, dass man ständig zum genauen Hinhören gezwungen würde; man hat Bach diese Eigenschaft seiner Musik ja schon zu Lebzeiten gelegentlich auch zum Vorwurf gemacht.
Wir erleben auf dieser CD nun die ganze Größe dieser Gambensonaten - schon der obligate, also auch in der rechten Hand als am polyphonen Geflecht teilnehmende Stimme ausgearbeitete Cembalopart war ja seinerzeit fast eine Provokation - in der vergleichsweise strengen, gebündelten und höchst objektiven Darbietung durch Jonathan Manson und Trevor Pinnock. Letzterer zeichnet sich als Cembalist stets durch eher sachliche Spielweise bei Verzicht auf eigene Verzierungszusätze aus, und so treibt er auch hier das musikalische Geschehen routiniert voran, souverän agierend, besonders auch auf artikulatorischer Ebene. Jonathan Manson folgt ihm nicht minder stringent und konzentriert - ein wenig charmanter, ein wenig gefälliger, das muss man schon sagen, hätte man diese wundervollen Stücke schon darbieten können; auch die Effektivität der Vermittlung satztechnischer Raffinessen hätte dadurch letztendlich noch gesteigert werden können. Manson und Pinnock haben einen anderen Weg gewählt, und so haben wir am Ende ein bisschen das Gefühl, die Stücke seien uns eingetrichtert worden - auf höchstem Niveau, versteht sich.

Michael Wersin, 01.12.2006



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