Responsive image

Joyosa

Markus Stockhausen, Ferenc Snétberger, Arild Andersen, Patrice Héral

Enja/Soulfood 9468 2
(58 Min., 6/2003) 1 CD

Am Anfang ist da eine leise Befürchtung: Diese Aufnahme setzt so ätherisch klangvernebelt, so amorph obertonverliebt ein, dass man sich auf 58 Minuten esoterisches Geschwurbele gefasst macht. Doch dann erhebt sich aus dem Gebräu unversehens eine nüchtern gezupfte Gitarre, sekundiert vom Bass, der in der Folge selbstbewusst das Geschehen an sich reißt und mit sarkastischer Schwermut das Thema vorstellt. Das Leichte und das Schwere, das Fragile und das Derbe - auf eigentümliche Weise geht das alles zusammen bei diesem hochkarätig besetzten Quartett ohne Bandleader.
Ein europäisches Dream-Team, ohne Frage. Da ist Markus Stockhausens Trompete, die mit deutscher Gründlichkeit Geschichten von eisklirrender Einsamkeit und stiller Zuversicht erzählt. Hinzu kommt der in Ungarn geborene Ferenc Snétberger, dessen Gitarre mal flirrend lospoltert oder sich in somnambulen Arpeggien verlieren mag. Norwegens Meister-Bassist Arild Andersen hält den beiden den Rücken frei bei ihren jubelnden Unisono-Salti; Frankreichs Schlagwerk-Nonkonformist Patrice Héral schlackert dazu verwundert mit den Fellen und Becken.
Der Viererbund entdeckt mit seiner ersten gemeinsamen Einspielung "Joyosa" Neuland auf der sattsam bereisten Landkarte der Weltmusik. Oder anders gesagt: dieser hochvollendete Kammer-Jazz findet geheime Transitstrecken zwischen Spanien, Brasilien, Osteuropa und Skandinavien. Ganz ohne Jetlag reist die Seele mit. Ein traumhaftes Debüt.

Josef Engels, 03.04.2004



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top