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Dmitri Schostakowitsch

Klaviersonate Nr. 2, Drei Stücke, Notenbuch für Kinder, Der helle Bach u.a.

Konstantin Scherbakow

Naxos 8.570092
(57 Min., 11/2005) 1 CD

So eine Pianistenkarriere wie der Kollege Prokofjew hat Dmitri Schostakowitsch nicht hingelegt. Obwohl er dafür das technische Rüstzeug durchaus besessen haben soll. Dass er seit den Studientagen bei seinem Klavierlehrer Leonid Nikolajew sich mehr und mehr zu einem Orchester- und Kammermusikkomponisten entwickeln sollte, hat sich dementsprechend auch auf sein Schaffen für das Klavier ausgewirkt. Für einen Mann, der schon mit 13 Jahren erste Klavierstücke komponierte, ist die Ausbeute mit den beiden Klavierkonzerten, zwei Sonaten und vor allem mit den Präludienzyklen ziemlich mager. Daher musste Konstantin Scherbakow sein Schostakowitschrecital auch überwiegend mit jugendlichen Fingerübungen und Gelegenheitswerken aus den 1940er Jahren füllen. Mit den liebreizend-arabesken "Drei Stücken" (1919/20), von denen das Intermezzo geradezu Fauré´schen Charme besitzt. Und das sich um Walzer und Märchenstoffe drehende "Notenbuch für Kinder", das Schostakowitsch 1944/45 für seine Tochter Galina komponierte, ist zuallererst eine pädagogisch angelegte Miniaturenkollektion. Die sollte man jedoch auf keinen Fall unterschätzen, da Schostakowitsch seine Galina mal en passent mit kurzen, knackigen Sprungfiguren und Trillergemeinheiten herausforderte. Das alles kann Scherbakow natürlich mit links umsetzen, ist dieser mit zwei eiskalt treffsicheren Händen Gesegnete hier und da zweifellos unterfordert. Was soll´s – wenn selbst in der Bearbeitung der Ballettmusik "Der helle Bach" es sich der Walzer zwischen Schubert und Strauß gemütlich machen darf und der anschließende Tango erst mit rhythmischer Hinterlist à la Kagel umherschwofen darf, um aufs spiegelglatte Paraphrasenparkett geschubst zu werden. Der ganze Scherbakow ist dagegen dann aber nicht nur in so manchem der fünf Préludes gefragt, in denen es der 14-jährige Schostakowitsch durchaus schäumen ließ. In der zweiten Klaviersonate, die 1943 Leonid Nikolajew gewidmet wurde, staunt man, wie Scherbakow die sich ständig verwinkelnde Architektur, die Stimmungsskalen von lichter Zartheit bis hochdramatischer Exzessivität in eine organische Passform bringt. Da wird nichts effektvoll übersteuert oder ausgebrütet, sondern alles mit kultiviertem Sachverstand und auf hohem Niveau realisiert.

Guido Fischer, 02.03.2007



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