Um hässliche, verworfene Menschen geht es in Shakespeares "Macbeth", daran kann wohl kein Zweifel bestehen. Sieht man dieses Schauerstück über Machtanmaßung und Skrupellosigkeit jedoch auf der Bühne, ja hört man es in jenem musikalischen Gewande, das Giuseppe Verdi dem Theaterstück Shakespeares verlieh, dann nimmt man es durch einen ästhetischen Filter zur Kenntnis, der gewisse prinzipielle Voraussetzungen impliziert: Giuseppe Verdi verwendet eine musikalische Sprache, die unbeschadet der speziellen Thematik bestimmte Anforderungen an die Interpreten stellt – mit anderen Worten: Sie müssen ihre Partien stimmlich bewältigen können, und sie dürfen dabei nicht hässlich (im Sinne von verbraucht und überfordert) klingen, nur weil sie widerwärtige Menschen darstellen. Dieser Grundsatz ist in der vorliegenden Produktion zumindest im Blick auf Sylvie Valayre, die Darstellerin der Lady Macbeth, auf groteske Weise konterkariert: Diese Dame singt bedauerlicherweise auf den Resten einer möglicherweise früher einmal passablen Stimme herum, sie quält sich skandierend und holzend durch ihre Partie, und ihre Koloraturpassagen sind allenfalls ein schlechter Witz. Die Kamera hält ihre verzweifelten Bemühungen, Verdis Musik oder wenigstens etwas Ähnliches hervorzubringen, dabei in Großaufnahme fest. Eine solch beklemmende Fleischbeschau der besonderen Art hätte nicht veröffentlicht werden sollen. Gegen seine Lady wirkt Leo Nucci in der Titelpartie fast noch frisch, aber auch er ist stimmlich beeinträchtigt, vermag schon bei mittlerer Belastung nur müde, harsche Töne zu produzieren. Böse Menschen haben keine Lieder? So realistisch hatten wir uns die Geschichte dann wirklich nicht vorgestellt. Was nützt da die interessante Inszenierung von Liliana Cavani? Man wünscht, sie und der Dirigent Bruno Bartoletti hätten im Sommer 2006 in Parma andere Protagonisten zur Verfügung gestellt bekommen. Mit diesen jedoch ist die Oper leider ungenießbar.

Michael Wersin, 21.12.2007



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