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Silver Rain

Marcus Miller

Dreyfus/Soulfood
(72 Min.) 1 CD

Das wird jetzt nicht ganz einfach. Der Autor ist E-Bassist und hatte lange Jahre seines Lebens nichts Besseres zu tun, als den Rezensionsgegenstand grenzenlos zu bewundern. Bringen wir es also schnell hinter uns. Marcus Miller ist in vielen Bereichen der Größte. Er hat dem späten Miles den Elektro-Funk beigebracht, den Bass als vollgültiges Melodieinstrument etabliert und ist der unerreichbare Meister der Slap- (vulgo: Daumenbass-)Technik. Völlig konsequent, dass sich auf seiner neuen CD - der ersten nach vier Jahren - unter anderem eine Jimi-Hendrix-Coverversion befindet. Was der eine für die Gitarre war, ist der andere eben für den Bass. Mit dem Unterschied, dass Miller, der sich live gerne mit gestähltem nackten Oberkörper präsentiert, niemals Schindluder mit seinem Körper treiben würde.
Und hier liegt auch das Problem: Fit for Fun ist zu oft die Devise bei Miller; der gute Mann hangelt sich beliebig von Gerät zu Gerät. Da macht er mal ein paar Klimmzüge zu Beethovens Mondscheinsonate (sic!), vollführt anlässlich einer pseudoasiatischen Hommage an Bruce Lee kunstvolle Karate-Kicks oder wählt sich Duke Ellingtons "Sophisticated Lady" zum Work-Out. Letzteres auf der Bassklarinette, was selbst für Marcus-Miller-Fürsprecher schon immer eine anstrengende Ausdauerübung war. Aber genug gemäkelt. Wenn es um den Funk geht, ist Miller nicht zu schlagen. Man höre nur seine Interpretation des Prince-Klassikers "Girls and Boys", bei der ihm Kenny Garrett und Macy Gray zur Seite stehen. Also doch: Daumen hoch!

Josef Engels, 26.02.2005



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