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Bhavan

Matthias Müller

Jazz Haus Musik 126/www.jazzhausmusik.de
(52 Min., 12/2002, 7/2003) 1 CD

Tief im Westen sieht es gar nicht gut aus. BVB und S04 ergehen sich derzeit hauptsächlich in bejammernswertem Rumpel-Fußball. Man weiß es nicht genau: Aber bei der Musik des im Ruhrgebiet beheimateten Quartetts um den 32 Jahre jungen Posaunisten Matthias Müller könnte es sich um so etwas wie die blitzgescheite Persiflage des gehemmten Spielflusses handeln. Laut Waschzettel soll man sich beim Abspielen der CD "Bhavan" schließlich die "rauchenden Schlote Wanne Eickels, die Staus auf der B1 und Currywurst" vorstellen. Tut man lieber nicht, weil die seltsamen Kompositionen des Bandleaders ganz andere Fährten legen. Zusammen mit dem begnadeten Alt-Sax-Grimasseur Jan Klare, dem Gitarristen Andreas Wahl sowie dem Schlagwerker Peter Eisold verliert sich Müller in einem eigenen Klanguniversum. Hier führen Bläser knarzige Oberton-Dispute, hier wabert von Zeit zu Zeit gefährlicher Elektro-Smog, hier gehen holprige Melodien kurzerhand verschütt, um aus obskuren Hintertüren unversehens mit einem schiefen Grinsen wieder aufzutauchen. Das erinnert mal an den Punk-Jazz von Ray Andersons Slickaphonics-Kollektiv, mal an die grinsende Zertrümmungslust der Knitting-Factory-Arbeiter. Um zu den Regionalbezügen zurückzukommen: Aus dem Pott stammt wahrscheinlich der trockene Humor, der Beinahe-Polkas, Latin-Themen oder Brachial-Gumbos stoisch dem Irrsinn preisgibt. Die Spielhaltung taugt aber zweifellos für den internationalen Wettbewerb. Was man schon daran sieht, dass der Chicagoer Produzenten-Guru John Corbett die Aufnahmeleitung bei "Bhavan" innehatte. Champions League, wir kommen!

Josef Engels, 31.01.2004



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