Picture Perfect

Ahmad Jamal


Birdology/Warner Jazz 6 85738 52682 6
(64 Min., 5/2000) 1 CD

Schon bevor er bekannt wurde, hatte Ahmad Jamal das Glück, von Miles Davis zur Kultfigur erhoben zu werden, dessen Studium der Trompeter jedem seiner Pianisten mit Nachdruck anempfahl. Jamals Umgang mit Pausen und mit der Dynamik, seine Fähigkeit, vom ersten bis zum letzten Ton Spannung zu halten, ist am besten auf "Live At The Pershing" dokumentiert. Mit solchen Aufnahmen legte er schon in den fünfziger Jahren die Messlatte sehr hoch - nicht nur für andere Pianisten, sondern auch für sich selbst. Sein späteres Schaffen, teilweise deutlich unter diesem Niveau, ist nie wieder so stark beachtet worden.
Jamal ist aber, wie dieses Album zur Feier seines siebzigsten Geburtstages zeigt, heute noch ein atemberaubender Pianist, dessen nie zum Selbstzweck geratende technische Brillanz und seine Fähigkeit, immer aufs Neue zu überraschen, jede Beachtung verdient. Die seit je unverkennbar eigenständige Klangsprache Jamals ist im Laufe der Jahre sogar noch origineller geworden. Sein von extremen Kontrasten lebendes Spiel (Spannung/Entspannung, laut/leise, schnell/langsam, hoch/tief) hat weit mehr harmonische Ecken und rhythmische Kanten als in seiner Glanzzeit. Seine oft auf faszinierende Art sprunghaft und erratisch wirkenden Improvisationen erfordern den voll konzentrierten Hörer, den Jamal mit seiner ganzen Palette von Fast-noch-Cocktail bis Fast-schon-Avantgarde verdutzt.
Das ausschließlich aus Orignals bestehende Album wurde in wechselnden Besetzungen (darunter Gesangseinlagen von Dr. O. C. Smith und L. Aziza Miller) aufgenommen.Vor allem die Trio-Aufnahmen mit dem Bassisten James Cammack und dem Drummer Idris Muhammad attestieren mit fesselndem Spielwitz und unerwarteten Wendungen Ahmad Jamals unbestreitbaren Rang.

Marcus A. Woelfle, 25.01.2001


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Torquato Tassos Kreuzfahrerepos "Gerusalemme liberata" war im Italien des 18. Jahrhunderts so beliebt, wie den Deutschen ihre Ritter- und Heldensagen im 19. Jahrhundert. Die Gondolieri in Venedig konnten ganze Passagen auswendig rezitieren, berichtet Casanova, und auch in Rom, wo Tasso seine letzten Lebensjahre verbracht hatte, kannte man die Figuren des Epos gut, darunter vor allem den hehren Kreuzritter Rinaldo und seine Gegenspielerin, die Zauberin Armida. Georg Friedrich Händel, als blutjunger Tausendsassa nach Rom gekommen, saugte den italienischen Stil ein wie Muttermilch und verschaffte sich mit den musikdramatischen Juwelen seiner frühen Kantaten schnell die Hochachtung des römischen Adels. 1707 wurde auf einem Jagdausflug seine "Armida abbandonata" aufgeführt, die in drei Arien und zwei Accompagnati vollendet das Porträt der soeben von Rinaldo verlassenen Zauberin und ihre Seelenstürme porträtiert. Und diese Leidenschaften hat sich auch das Berner Ensemble "Les Passions de l'ame" unter Meret Lüthi zum Namensgeber erwählt. In ihrer neuen Aufnahme betten sie Händels Kantate geschickt als Epizentrum in Francesco Geminianis Ballettmusik "La Foresta incantata" (Der Zauberwald) ein, die dieser dem Epos Torquato Tassos fünfzig Jahre später abgelauscht hatte.