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The Magic Hour

Wynton Marsalis-Quartet

Blue Note/EMI 597 903-2
(61 Min., 6/2003) 1 CD

Seit seiner letzten Combo-Aufnahme, der 1999 verfertigten "Marciac Suite", hat Wynton Marsalis einiges gemacht. Mit nicht weniger als 200 Teilnehmern, mit Big Band, Gospelchor und Symphonieorchester, nahm er das Werk "All Rise" auf und trug es in die ehrenhaften Konzerthäuser dieser Welt. Für die 19-stündige Fernseh-Dokumentation "Jazz" fungierte er als Berater an der Seite des Filmemachers Ken Burns. Man sieht: Marsalis mag die Mammutaufgaben. Das stößt nicht überall auf Gegenliebe. Manche sehen in dem Trompeter und Funktionär nämlich bloß einen gestrengen Museumswärter, der darüber wacht, dass der echte Jazz, der zwischen 1920 und 1960, bloß nicht verwässert wird.
Nun, Marsalis’ Einstand bei Blue Note bringt in dieser Hinsicht eigentlich nichts Neues. Hochmögend pustet der 42-Jährige gemeinsam mit seinen jungen Kollegen Eric Lewis am Klavier, Carlos Henriquez am Bass und Ali Jackson am Schlagzeug das Blaue vom Himmel zwischen New Orleans und New York; Dianne Reeves und Bobby McFerrin leihen bei zwei Stücken ihre Stimmbänder. Es gibt altertümliche Two-Beat-Passagen, Ellingtoneskes sowie Latin-Ausbrüche zu bewundern. Und am Ende, im Titelstück "The Magic Hour", fließen Hummelflug-Artistik, Blues-Weisheit und Balladenschwermut in Form einer eigenwilligen Suite zusammen.
Trotz des recht ambitionierten Schlusspunktes: als spießiger Staatsmann des Jazz präsentiert sich Marsalis hier keinesfalls. Sondern als bisweilen rabaukenhaft grinsender Party-Lüstling. Seht die Sache doch mal nicht so eng, scheint er zu sagen. So viel Lockerheit steht Wynton Marsalis nach Jahren der amtlichen Verkniffenheit gut zu Gesicht.

Josef Engels, 25.12.2007



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