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Philipp Friedrich Böddecker, Johann Paul von Westhoff, Giovanni Battista Bovicelli, Georg Muffat

Rariora & Marginalia

The Rare Fruits Council, Manfredo Kraemer

Naïve Astrée/helikon harmonia mundi E 8840
(66 Min., 3/2001) 1 CD

Großartige Komponisten und Musiker vergangener Zeiten gelangen nur über Aufführungen oder, besser noch, Aufnahmen ihrer Werke ins Bewusstsein des heutigen Publikums; andernfalls geraten sie schnell in Vergessenheit. Nicht immer jedoch entspricht die geringe Präsenz mancher Meister und ihrer Werke auch der tatsächlichen Qualität ihrer Musik: Unglückliche Überlieferungs-Bedingungen, beschränkte Zugänglichkeit der Quellen oder eine sehr geringe Menge überhaupt erhaltener Werke können Gründe sein für das Versinken solchen Repertoires im Dunkel der Geschichte.
Der Barock-Geiger Manfredo Kraemer und das Ensemble "The Rare Fruits Council" haben sich für die vorliegende CD einiger derartiger Stücke angenommen. Den Anfang machen zwei Sonaten des 1607 im elsässischen Hagenau geborenen späteren Straßburger Münster-Organisten Philipp Friedrich Böddecker: Die Sonate in d-Moll für Violine und Continuo fasziniert durch virtuose Anforderungen, die hier innerhalb eines italienisch geprägten Stils an die Violine gestellt werden; in der "Sonata sopra 'La Monica'", einem Variationszyklus über eine bekannte Melodie, gesellt sich ein nicht minder virtuos geführtes Fagott zur Violine. Kraemer und seine Kollegen musizieren die Stücke sehr ansprechend und inspiriert, wenn ihre Einspielung auch nicht ganz so einmalig ist, wie der Titel der CD vermuten lässt: Von beiden Werken verzeichnet der aktuelle Schallplattenkatalog eine bzw. zwei weitere Einspielungen. Gleiches gilt übrigens zumindest auch für Giovanni Battista Bovicellis Diminution des Palestrina-Madrigals "Io son ferito ahí lasso". Unbeschadet dieser lediglich der Genauigkeit halber erwähnten Einschränkung des Seltenheitswertes der Aufnahmen erfreut Manfredo Kraemers CD den Hörer aber dennoch durch den hohen Reiz dieser und der anderen ausgewählten Werke: Besonders interessant ist etwa Antonio Bertalis "Chiacona", die der drohenden Redundanz angesichts der 159 Wiederholungen ihrer relativ kurzen Bassfigur nicht nur durch eine faszinierende Fülle verschiedener Spielfiguren aller beteiligten Instrumente, sondern ungewöhnlicherweise auch durch Modulationen in andere Tonarten entgegenwirkt.

Michael Wersin, 19.07.2003



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