Responsive image
Eduard Toldrá, Enrique Granados, Maurice Ravel, Xavier Montsalvatge, Jesús Guridi, Jaime Ovalle

Canciones españolas

Maria Bayo, Malcolm Martineau

Naive / Helikon Harmonia Mundi AV 4933
(50 Min., 4/2002) 1 CD

Victoria de los Angeles hat sie einst weltweit bekannt gemacht, jene ungemein reizvollen spanischen Klavierlieder, die so ganz anders sind als das, was man sich im Land der Dichter und Denker unter Kunstliedern vorstellt: Das Klavier begleitet, häufig Gitarrenklänge imitierend, die mal leidenschaftlichen, mal verträumten Kantilenen einer Sängerin, welche man sich nur als geheimnisvolle, vielleicht gefährliche Schöne vorstellen kann. Victoria de los Angeles bot in ihren Programmen von Anfang an nicht nur "Mainstream-Repertoire" von de Falla oder Granados, sondern auch Perlen von Eduardo Toldrá oder Jesús Guridi (zu bewundern etwa auf Testament SBT 1087). Lange Zeit blieben ihre Leistungen auf diesem Gebiet unerreicht. Nun präsentiert sich María Bayo, ebenfalls Spanierin, auf hohem Niveau mit ähnlichem Repertoire und verzaubert den Hörer nicht minder, wenn auch mit etwas anderen Mitteln als ihre große Vorgängerin.
Während Victoria de los Angeles im Liedgesang gern und mit großer Wirkung besonders die dunklen Farben ihrer Sopranstimme einsetzte, verlässt sich María Bayo voll und ganz auf das zu ihrer hohen Stimmlage gehörige helle Timbre: Zärtlich umschmeichelt sie das Ohr mit schmachtenden Phrasen und kann sich dabei auf eine hervorragend funktionierende Technik verlassen, die ihr die volle Konzentration auf die entsprechend differenzierte Gestaltung ermöglicht. Malcolm Martineau begleitet im gleichen Sinne einfühlsam und detailverliebt. Liebhaber leicht ansprechender, ruhig geführter Soprane kommen voll und ganz auf ihre Kosten; wenn auf dieser CD überhaupt etwas fehlt, dann ist es ab und zu mal ein etwas beherzterer, im besten Sinne dramatischerer Zugriff auf die eine oder andere Episode.

Michael Wersin, 22.02.2003



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Musik vom Land, statt Musikland: Wenn man sich die britische Musikgeschichte so anschaut, scheint an tatkräftigen Stimmen aus den eigenen Reihen zwischen Henry Purcell und Edward Elgar ein riesiges Loch zu klaffen. Ein Loch, in dem sich vor allem zugereiste Berühmtheiten tummelten, von Händel und Haydn über Mendelssohn bis Weber – die sich übrigens in London alle pudelwohl fühlten! Die Rede vom „Land ohne Musik“ ist ein geflügeltes Wort, seit Oscar Schmitz 1904 seinen Aufsatz zu […] mehr »


Top