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Igor Strawinski, Carl Nielsen

Le sacre du printemps, Sinfonie Nr. 5 op. 50

Cincinnati Symphony Orchestra, Paavo Järvi

Telarc/In-Akustik 80615
(73 Min., 1/2004, 2/2004) 1 CD

Nachdem Paavo Järvi sein Cicinnati Symphony Orchestra mittlerweile in die Top-Five-Liga der US-amerikanischen Orchester mit spannungsgeladenem Schliff und nervenaufrüttelnder Energie geführt hat, wartete man gespannt auf Strawinskis "Le sacre du printemps". Nun liegt die Einspielung vor, kombiniert mit einem anderen Skandalstück der klassischen Moderne, mit Carl Nielsens 5. Symphonie. Und tatsächlich liegt der Däne vor dem Russen. Obwohl Järvi & Co. bei Strawinski eigentlich alles richtig machen. Die irisierend-impressionistischen Holzbläser kommen ohne Verschwommenheit aus, das Motorische wird mit einer bewunderswerten Punktgenauigkeit und Reaktionsschnelligkeit bewegt. Jede einzelne Orchestergruppe ist für sich allein schon ein Vorbild an Exaktheit. Doch in dieser brillanten Kalkuliertheit fehlt die schauerlich brodelnde Überhitztheit, erlebt man durchtrainiertes statt zuckendes Furioso.
Dass höchstes Differenzierungsvermögen nicht mit musikalischer Blutarmut bestraft werden muss, belegt dann Järvi wiederum bei Nielsens 5. Sinfony. Unter Dauerdruck steht zwar auch dieses 1922 uraufgeführte Werk. Da verwirbeln polyphone Linien im opulenten Fortissimo, glühen bedrohlich die Streicher, marschiert das Orchester mit Balkan-Mützen und Ives'scher Verwegenheit auf, um im Finale das Konfliktpotential zu steigern. Brahms, Janacek, Mahler - Nielsens Klangreibungen als Reflex auf die europäische Katastrophe, den 1. Weltkrieg, kommen aber nun ohne eben Reibungsverluste aus. Vielmehr bindet Järvi die strukturellen, expressiven und hedonistischen Aspekte zur beunruhigenden Aufgeladenheit zusammen, machen die eindringlichen Bruchstellen den Orchesterglanz aus.

Guido Fischer, 08.01.2005



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