Responsive image
Louis Spohr

Nonett op. 31, Oktett op. 32

Tschechisches Nonett

Praga/Helikon Harmonia Mundi PRD 250 160
(62 Min., 9/2000,1/2001) 1 CD

Man liegt sicher nicht verkehrt, wenn man die Musik von Louis Spohr als "biedermeierlich" im besten Sinne bezeichnet: Handwerklich zwar meisterhaft verfertigt, enthält sie dem Hörer doch oft jene existenzielle Dimension vor, die etwa vergleichbaren Stücken seines Zeitgenossen Franz Schubert abgründige Tiefe verleiht.
Die beiden in den Jahren 1813 und 1814 komponierten Kammermusikwerke auf dieser CD, das Nonett op. 31 und das Oktett op. 32, illustrieren diese Charakterisierung in ohrenfälliger Weise: Beide Stücke, angelegt jeweils für ein Streichquartett und ein Bläserensemble, erproben die reichhaltigen Möglichkeiten einer so opulenten Besetzung. In vielfältiger Weise kommunizieren die Instrumentengruppen und die einzelnen Instrumente miteinander auf der Basis eines manchmal homophon-oberstimmenorientierten, meist aber kontrapunktisch durchstrukturierten Stimmengeflechts.
Im Eingangssatz des Nonetts demonstriert Spohr, was man aus einem kurzen, simplen Motiv alles machen kann - angesichts der penetranten Präsenz dieser Wendung drängt sich mit der Zeit allerdings die Frage auf, ob man das alles hätte machen sollen. Der virtuose Finalsatz desselben Werks arbeitet beständig mit Stakkato-Akkorden, die auf der Seite der Bläser manchmal eine etwas gackernde Artikulation provozieren. Diese beiden Beispiele mögen für die Ambivalenz stehen, in der die äußerlich brillanten Werke erscheinen: Der souveräne Aufbau gibt ein Versprechen ab, das der tatsächliche Gehalt nicht ganz einzulösen vermag.
Das Tschechische Nonett liefert eine engagierte, wohlklingende Interpretation der beiden Stücke von weitgehend tadelloser Qualität. Einzig der Primarius schießt hier und da mit krachendem Vibrato ein wenig über das Ziel hinaus, welches eine eher nüchterne Darbietung dieser passagenweise allzu gefälligen Musik sein müsste.

Michael Wersin, 21.06.2001



Diese CD können Sie kaufen bei:


Kommentare

Kommentar posten

Für diese Rezension gibt es noch keine Kommentare.




CD zum Sonntag:

Ihre Wochenempfehlung der RONDO-Redaktion

Beethovens Bruder: Der Franzose George Onslow gehört zu jenen Musikern, die einst weit über die Ländergrenzen hinweg berühmt waren und noch zu Lebzeiten miterleben mussten, wie ihre Musik vom Lauf der Geschichte überholt wurde. Dabei erwarb sich Onslow vor allem mit seiner Kammermusik in Deutschland so viele Freunde, dass Mendelssohn ihm bei seinem Besuch 1846 in Aachen ein Ehrenkonzert widmete. Onslows Leben ist ein Spiegelbild seiner unruhigen Zeit. Als Sohn eines aus England nach Paris […] mehr »


Top