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George Enescu

Piano Music Vol. 2

Luiza Borac

Avie/Musikwelt AV 2081
(93 Min., 7/2005)

Ein weiteres Mal bezaubert uns Luiza Borac, eine junge Rumänin mit perfekter Technik und hohem Gestaltungs- bzw. Ausdrucksvermögen, auf einem Ausflug in die kaum zu ergründende musikalische Welt ihres Landsmannes George Enescu. Im Jahre 2003 hatte Borac dessen drei Klaviersuiten präsentiert; nun konfrontiert sie den staunenden Hörer mit einer Reihe von Klavierstücken - darunter eine 20 Minuten lange, in jeder Hinsicht exzessive Nocturne und ein Präludium mit Fuge, letztere in der kreativen Verarbeitung des Themas faszinierende Eleganz aufweist - sowie mit den beiden überlieferten Klaviersonaten Enescus. Die zwei seiner insgesamt drei Sonaten hat Enescu niemals notiert, weshalb sie unwiederbringlich verloren sind; er spielte das Stück stets auswendig (so wie er scheinbar, glaubt man den Zeitzeugen, weite Teile des europäischen Musikrepertoires auswendig wiederzugeben im Stande war). Als alter Mann hätte er endlich Zeit gefunden, die zweite Sonate und viele andere nie notierte Stücke zu dokumentieren, aber eine Schreibhemmung verhinderte dies tragischerweise.
Höchste Anforderungen stellt dieses Repertoire an seine Interpreten: Man höre etwa das in seiner duftigen Durchsichtigkeit höllisch schwere "Presto vivace" der ersten oder den virtuos-abgründigen Kopfsatz der dritten Klaviersonate, dessen Entstehungsprozess mit dem durch eine schwerwiegenden Erkrankung von Enescus Frau erfahrenen persönlichen Leid in Verbindung zu bringen ist.
All dies und vieles mehr wird uns auf der vorliegenden CD erstklassig dargeboten: Luiza Borac ist immer brillant und niemals auf hohle Weise virtuos, immer eloquent und niemals geschwätzig, immer expressiv und niemals schwülstig - kurzum: ein Traum von einer Pianistin.

Michael Wersin, 16.06.2006



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