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Diverse

Caruso 2001 - Canzoni Italiane

Enrico Caruso, ORF Radio-Symphonieorchester Wien, Gottfried Rabl

RCA/BMG 74321 82569 2
(59 Min., 1906 - 1920 (Stimme), 1/2001 (Orchester)) 1 CD

So singulär der Titel "Caruso 2000" im vorigen Jahr auch klang, "Caruso 2001" bleibt nicht aus. Beibehalten wurde das Konzept, Carusos Stimme auf digitalem Wege von Nebengeräuschen und dem ursprünglichen Orchesterpart zu befreien, um dann Gottfried Rabl und das Wiener RSO frische Begleitungen darüber spielen zu lassen. Diesmal widmet man sich den "Canzoni Italiani", jenen herzzerreißenden Liedern von Tosti, de Curtis und anderen, die wir auch von zeitgenössischen Tenören oft serviert bekommen. Nun schmachtet, wütet und erregt sich der gute alte Caruso also zu ganz modernen Orchesterklängen - gewöhnungsbedürftig ist das schon.
Ein großes Lob muss in diesem Zusammenhang den Technikern des Konkurrenzlabels Naxos ausgesprochen werden, die derzeit an einer sukzessive erscheinenden Gesamtausgabe der Caruso-Hinterlassenschaft arbeiten: Auf ihren CDs rauscht es zwar ständig nach alter Weise, im Vergleich mit dem digital entkernten Caruso von BMG klingt der Sänger jedoch häufig natürlicher.
Gleichzeitig soll aber auch Gottfried Rabl, dem musikalischen Vater des BMG-Projekts, ein Lob zu Teil werden: Er bewies bei der Restauration, Ergänzung und Neuschöpfung der alten Orchesterbegleitungen großes Geschick. Manche im Original nur mühsam wahrnehmbare Bewegung in den Mittelstimmen bringt er zum Vorschein, korrigiert auch hier und da harmonische Ungereimtheiten, und bringt die instrumentale Neufassung schließlich zu beachtlicher Übereinstimmung mit Carusos Stimme.
Fraglich ist allerdings, ob sich der technische Aufwand wirklich lohnt: Caruso bleibt mit seinem Timbre und seiner Stilistik immer ein wenig fremd in dem modernen orchestralen Umfeld; es gelingt nicht wirklich, ihn in die Gegenwart zu transferieren. Deutlicher treten allerdings seine Defizite zum Vorschein, darunter die nicht immer ganz leicht ansprechende Höhe und der stark abgedunkelte obere Teil seiner Stimme. Es mag ketzerisch klingen, aber bei aller Könnerschaft, die man Caruso zweifellos zugestehen muss, gibt es in vielen Fällen bessere Neuaufnahmen.

Michael Wersin, 18.10.2001



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