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Leo Ornstein

Suicide In An Airplane, A la Chinoise, Danse sauvage, Arabesques, Klaviersonate Nr. 8 u.a.

Marc-André Hamelin

Hyperion/codaex 67320
(77 Min., 8/2001) 1 CD

Achtung, gefährliche Akkordschläge! Denn was der russische Komponist Leo Ornstein (1892/3 - 2002) Anfang des 20. Jahrhunderts im amerikanischen Exil sich da für die Klaviertastatur ausgedacht hat, gehört wohl zum Spektakulärsten, Nervenaufreibendsten, Tumultösesten, was in jener Zeit komponiert worden ist. Heftigste Akkord-Ballungen marschieren durch die Werke Ornsteins; wird hier ein Klangrausch der Extreme entfacht, bei denen es nur selten Momente der Erholung gibt. Weder für den Zuhörer noch für den Interpreten. Aber der Kanadier Marc-André Hamelin ist schließlich dafür berühmt, dass ihm so schnell nicht die Puste ausgeht. Und seine Finger selbst bei den allerschwierigsten Pirouetten und Purzelbäumen die Spannung hochhalten.
Dass jedoch Ornstein nicht ausnahmslos auf radikal virtuoses Blendwerk setzte, sondern seine bruitistische Ausdrucksskala voller Geheimnisse und Fallen steckt, darauf achtet eben Hamelin. So entdeckt er jenes prismatische Klangfarbenspiel, das drei Jahrzehnte später zum Markenzeichen Olivier Messiaens werden sollte. Und entlang der rasanten Berg- und Talfahrten, der hämmernden Rhythmen und der Fortissimo-Ausschläge tauchen plötzlich Inseln der Meditation auf, wie sie Scriabin ausgiebig und suggestiv buchstabiert hat. Nur dass Ornstein daraus dann doch eine Maschinenmusik entwickelt, bei der die Flammen wie in "Suicide in an Airplane" bisweilen aus dem Flugzeug-Propeller zu schlagen scheinen.

Guido Fischer, 12.04.2003



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